Denkmal

NS-Raketengelände in Peenemünde soll nicht Welterbe werden

Die frühere NS-Raketenversuchsanstalt Peenemünde hat nach Auffassung der TU Cottbus Potenzial für die Aufnahme in die Liste der Welterbestätten.

Die Experten der Hochschule kommen - nachdem sie zwei Jahre die Denkmallandschaft Peenemünde dokumentiert haben - in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass sich das Bundesland und Deutschland mit einer Welterbenominierung in bahnbrechender Weise mit der komplexen Geschichte Deutschlands im "Dritten Reich" auseinandersetzen würden. Ihr Abschlussbericht liegt dem Kultusministerium bereits seit Ende März vor, wurde bisher aber nicht veröffentlicht. Mitte Juni 2012 meldete das Land stattdessen das Schweriner Schloss und das Doberaner Münster als Vorschläge Mecklenburg-Vorpommerns an die Kultusministerkonferenz und schloss damit Peenemünde aus. Hintergrund: Jedes Bundesland darf nur zwei Kandidaten für die "Tentativliste" benennen, aus der der Bund dann in den kommenden 10 bis 15 Jahren die Kandidaten für das internationale Verfahren auswählt. Das Zeitfenster für Peenemünde wäre für diesen Zeitraum geschlossen.

Das Kultusministerium verteidigte die Entscheidung. Eine Bewerbung Peenemündes für die Aufnahme in die Welterbeliste sei verfrüht. Das Land ist seit 2010 mit 51 Prozent Hauptgesellschafter des Historisch-Technischen Museums Peenemünde. Eine Welterbediskussion würde ablenken von den wichtigen Aufgaben für Peenemünde. Museumskonzeption und Ausstellung müssten überarbeitet werden. Dem widerspricht der Lehrstuhlinhaber Denkmalpflege und Mitverfasser des Berichts, Leo Schmidt. "Niemand erwartet, dass ein potenzieller Kandidat bei der Antragsstellung perfekt sein muss." Peenemünde sei in einzigartiger Weise dazu geeignet, die Lücke von militärischen und technischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts in der Liste zu füllen.