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Nina Wehner (31), Die Buchkönigin, Hobrechtstr. 65, Neukölln: Wer Charles Bukowski mag, landet unweigerlich bei den Gedichten. Man sollte sie eigentlich im Original lesen, doch der im Januar verstorbene Carl Weissner hat sie kongenial ins Deutsche übersetzt. Jetzt liegt mit "Ende der Durchsage" ein Sammelband aller Bukowski-Gedichte vor, der zum Wiederentdecken einlädt. Es geht um Frauen, das Trinken, heruntergekommene Typen, die nichts mehr zu verlieren haben, und es wird natürlich viel geschimpft. Die Gedichte sind persönlicher und intensiver als die Romane. Sie lesen sich wie Notizen oder Kurzgeschichten. Momentaufnahmen vom Leben am Rande der Gesellschaft, wahr und erschreckend, aber immer packend. Bukowski gelingt das Kunststück, dass man einen Kloß im Hals hat und gleichzeitig laut loslachen möchte. Der Klassiker der Undergroundliteratur, über den Henry Miller einmal sagte: "Jede Zeile von Bukowski ist infiziert vom Terror des amerikanischen Alptraums."

Charles Bukowski: Ende der Durchsage. Gedichte, Kiepenheuer & Witsch, 736 Seiten, 14,99 Euro.