Nibelungenspiele

Dieter Wedel beginnt in Worms mit den Proben zu "Jud Süß"

Es wird wieder politisch in Worms: Intendant Dieter Wedel hat gestern mit den Proben zu den diesjährigen Nibelungenspielen begonnen.

Geplant ist eine Neuinszenierung der "Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß" - ein von den Nationalsozialisten für ihre antisemitische Propaganda missbrauchter Stoff, mit dem Wedel bereits vergangenes Jahr für Aufsehen gesorgt hatte. Hauptthemen sollen Ausgrenzung, Fremdenhass und die Folgen überbordender Staatsverschuldung sein, wie der Intendant ankündigte.

Wedel sagte zum Probenbeginn, er habe sich Forderungen nach einem gefälligen Stoff bewusst widersetzt, auch wenn das die Zuschauer möglicherweise erschrecken könne. Der Stoff sei noch mehr nazikontaminiert als die Nibelungen, sagte Wedel kürzlich: "Joseph Süß Oppenheimer ist einem Justizmord zum Opfer gefallen." Die Rolle des Joseph Oppenheimer übernimmt dieses Jahr der Dresdner Theaterschauspieler Tom Quaas. Ihm gehe es darum, die Rolle nahbar zu machen und das Gefühl zu vermitteln, so Quaas, dass jeder in die Rolle des Opfers geraten könne. Wedel hat für die am 3. August beginnenden Festspiele auch wieder zahlreiche aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler gewonnen. Zu sehen sein werden etwa Anja Kruse ("Forsthaus Falkenau"), Marie Zielcke ("Bin ich schön?"), Michael Lesch ("Der Fahnder") und Walter Plathe ("Der Landarzt").