Kunst

Alle Bilder haben etwas mit blauer Farbe zu tun

Die Kunstsammlung von Siggi Loch wird versteigert

Die Trennung von "Blauklang" tut Siggi Loch schon "ein bissel weh". Der Musikproduzent kaufte das Ölgemälde von Ernst Wilhelm Nay im Jahr 1975, es war das Herzstück seiner Sammlung, nun kommt es am Mittwoch bei Christie's in London unter den Hammer. Aber für einen guten Zweck: Der Chef des Jazzlabels ACT und seine Frau Sissy versteigern 45 Werke aus ihrer Kunstsammlung für das Grundkapital ihrer neuen Stiftung für hilfsbedürftige Menschen und Tiere. Loch hofft insgesamt auf einen Erlös von "zwei Millionen Euro plus". Geschätzt wird "Blauklang" (1953) auf umgerechnet rund 124.000 bis 186.000 Euro. Das Bild ist der Kern der Sammlung. Durch die Beschäftigung mit Nay stellte Loch fest, dass sich dessen gesamtes Werk um die Auseinandersetzung mit Rhythmus und Klang drehte. Das gefiel dem Musikproduzenten natürlich.

Angeführt wird die Auktion indes von "Anthropométrie" von Yves Klein (1 bis 1,5 Millionen Pfund). Unter den Hammer kommen darüber hinaus "Abstraktes Bild" von Gerhard Richter (600.000 bis 800.000 Pfund), "Strandbild 10 - Night in Tunisia II" von Georg Baselitz (400.000 bis 500.000 Pfund) und "Ohne Titel" von Sigmar Polke (150.000 bis 200.000 Pfund).

"A Kind Of Blue" titelte das Auktionshaus: Loch widmete seine Sammlung der Farbe Blau, kaufte in den vergangenen 20 Jahren nur Werke, in denen Blau eine Rolle spielte. "Blau ist die Farbe der Träume, wie Miro gesagt hat, es ist auch die Farbe der Sehnsucht, und die Farbe der Weite und Unendlichkeit", sagt der 71-Jährige. Sein Leben habe viel mit Träumen und deren Verwirklichung zu tun gehabt - etwa der Gründung seiner Plattenfirma im Jahr 1992. Nach Lithografien und Siebdrucken kauften seine Frau und er das erste Ölbild 1970 in München. Das Bild faszinierte sie "wahnsinnig", obwohl ihnen 15.000 Mark damals viel zu teuer waren. Später erwies sich der Kauf als Glücksgriff: Es war ein Werk von Gerhard Richter, dessen Bilder bei Auktionen inzwischen Millionen erzielen. Mit dem Verkauf des Bildes finanzierten die Lochs vor vier Jahren ihr Haus mit Galerie im Grunewald.

Schon seit einigen Jahren überlegte das kinderlose Paar, was mit all den Werken mal nach seinem Tod passieren würde. Und so kam die Idee für die Stiftung auf, die nun maßgeblich von Sissy Loch gesteuert wird. Konkrete Projekt gibt es noch nicht, klar ist aber, dass die Siggi & Sissy Loch Stiftung Menschen und Tieren in Not nicht einfach anonym Gelder zur Verfügung stellen wird.