Interview

"Ich bin auch nicht mehr so frisch wie mit 18"

| Lesedauer: 6 Minuten

Die Popfolksängerin Amy Macdonald über ihr drittes Album, das Älterwerden und ihre Leidenschaft für die schnellen Autos

Mit "This ist the life" wurde Amy Macdonald über Nacht im Jahr 2007 weltberühmt. Ihren kräftigen schottischen Dialekt hat die 24-Jährige bis heute nicht abgelegt, sonderlich divenhaft ist sie nicht geworden und auch auf ihrem neuen Album "Life in a beautiful light", mittlerweile ihr drittes, finden sich vor allem Popfolksongs. Aber doch ist auch ihr Leben kein ruhiger Fluss. Steffen Rüth hat sich mit Amy Macdonald getroffen.

Berliner Morgenpost:

In Anbetracht des fast schon euphorischen Albumtitels "Life in a beautiful light" erübrigt sich wohl die Frage nach Ihrem Befinden...

Amy Macdonald:

Mir geht es absolut großartig! Ich hatte mir das vergangene Jahr freigenommen und lebte in der Zeit so richtig auf. Ich hatte nicht einmal vor, schon wieder neue Songs zu schreiben. Aber als ich zu Hause war und das Leben genoss, hatte ich einfach so unglaublich viele Ideen. Die Lieder kamen so mühelos zu mir, dass ich gar nicht das Gefühl bekam, zu arbeiten, ein Album zu machen.

War die Auszeit denn nötig?

Oh ja. Seit 2006 war ich fünf Jahre lang fast nur auf Reisen. Ich musste dringend durchatmen, meine Familie und meine Freunde mal länger sehen als nur ein paar Stunden am Stück. Ein normales, ruhiges Leben ist irre wichtig für mich. Ich habe die Zeit wirklich genossen und will jetzt unbedingt nach jeder Tournee so eine Ruhephase einbauen. Sonst bin ich irgendwann platt und nicht mehr ich selbst.

Was meinen Sie damit?

Für mich war es am Schluss ungemein anstrengend, immer meine Person in den Mittelpunkt zu stellen - über mich selbst in Interviews zu sprechen oder eben auf der Bühne zu stehen. Dabei bin ich ein Mensch, der gerne im Hintergrund bleibt und beobachtet.

Leben Sie noch in Schottland?

Ja, Glasgow ist nach wie vor mein Zuhause. Ich wohne in Bishopbriggs, einem Vorort. Dort schreibe ich alle meine Lieder, dort lebt mein Verlobter, meine Freunde, meine Familie. Aus Glasgow wegzugehen, käme für mich nicht infrage, ich liebe die Stadt, ich liebe meine Heimat.

Was haben Sie denn in Ihrem freien Jahr so gemacht?

Wenig - das war ja das Schöne daran. Mein eigenes Leben ist nicht aufregend. Eigentlich sogar langweilig. Ich gucke viel Fernsehen, gehe einkaufen, ins Kino, koche, solche Sachen. Es ist ein ganz normales Leben. Viele Textideen habe ich, wenn ich mir die TV-Nachrichten angucke. Zum Song "Across the Nile" hat mich zum Beispiel die Berichterstattung über den Arabischen Frühling inspiriert. Die Bilder haben mich stark berührt.

Und ich dachte erst, das Lied handelt von einem Ägypten-Urlaub.

Nein, nein, verreist bin ich so gut wie gar nicht. Ich konnte keine Flugzeuge mehr sehen. Ich war nur ein einziges Mal weg, in Dubai, und bekam schon auf dem Hinflug so schlimme Magenschmerzen, dass die mich im Flugzeug mit Sauerstoff versorgen mussten.

Worum geht es in "The Days of being young and free"?

Ums Älterwerden. Einige meiner Freunde sind zuletzt 30 geworden, mein Vater feierte vor kurzem seinen Sechzigsten, meine Eltern sind jetzt beide in Rente. Alle diese Menschen machen sich Sorgen und grummeln herum. Sie wollen nicht alt werden, aber das passiert nun einmal.

Sie haben mit Ihren 24 Jahren gut reden.

Ich bin auch nicht mehr so frisch wie mit 18. Vor sieben Jahren habe ich meinen Plattenvertrag unterschrieben, das kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Ich würde es auch vorziehen, möglichst lange, gerne auch für immer, in meinen Zwanzigern zu bleiben. Jetzt schon muss ich dauernd meine Haare färben, die werden viel zu schnell grau, das ist wirklich übel. Mein Vater war mit 25 schon komplett grau.

Wie sind Sie auf den Titel "Life in a beautiful Light" gekommen?

Beim Joggen. Die Sonne glitzerte in meinen Augen, im See, in den Bäumen, es war so wunderschön, friedlich und entspannend. So kam mir diese Zeile in den Kopf und blieb dort.

Und die Single "Slow it down" handelt dann vermutlich von Ihrem Vorhaben, einen Gang herunterzuschalten.

Das stimmt. Einerseits. Allerdings handelt der Song ebenso von meiner großen Leidenschaft: Der Liebe zu Autos.

Wirklich?

Ja. Auch die Idee für diesen Song hatte ich ausgerechnet im Auto. Beim Fahren. Beim schnellen Fahren. Ich bin oft zu rasant, aber ich fahre leidenschaftlich gerne Auto. Das entspannt mich. In Schottland sind die Straßen gut ausgebaut und gleichzeitig anspruchsvoll, viele Kurven. Ich liebe das. Und ich glaube, ich bin eine ganz gute Fahrerin. Ich lese auch die Fachpresse, Magazine wie "Top Gear". Das finde ich viel spannender als Frauenzeitschriften, in denen ja fast immer nur Quatsch drinsteht.

Was fahren Sie denn?

Ich habe mehrere Autos. Aber ich spreche nicht so gerne darüber, weil ich es hasse, so angeberisch zu wirken.

Jetzt haben Sie schon damit angefangen...

Na gut: Ich habe einen Audi R8 GT, einen Range Rover und einen Ferrari 458. Mein Traumauto wäre ein Bugatti Veyron, der ist bis zu 400 Stundenkilometer schnell. Bevor ich mir den leisten kann, muss ich noch ein paar Millionen Alben verkaufen.

Sie haben mit Ihren bisherigen Platten doch bestimmt schon genug verdient.

Genug für mich, aber nicht genug für den Veyron.