Interview

Madonnas Kameramann

Hagen Bogdanski hat mit dem Popstar den Historienfilm "W.E." gedreht. Der Berliner erzählt von chaotischen Produktionstagen

Madonna, der Popstar, wird am 28. und 30. Juni in der Berliner O2 Arena auftreten. Bereits in dieser Woche startet ihr Historiendrama "W.E." - Madonna, die Filmregisseurin, erinnert an die Beziehung von König Edward zur geschiedenen Bürgerlichen Wallis Simpson. Die Bilder stammen vom Berliner Kameramann Hagen Bogdanski. Thomas Abeltshauser sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Herr Bogdanski, Sie standen bei Madonnas neuem Film "W.E." hinter der Kamera. Wie kommt man an ein solches Projekt?

Hagen Bogdanski:

Einer ihrer Assistenten rief an. Das war im Februar 2010 und die Frage war: "Hätten Sie Zeit, eine sehr bekannte Frau zu treffen?" Es ginge um ein Filmprojekt, man würde mir das Drehbuch schicken, aber das Treffen müsse schon am nächsten Tag sein. Dann liest man also über Nacht das Drehbuch und dann geht man da am nächsten Tag hin und trifft Madonna.

Was passierte bei diesem ersten Treffen?

Das muss man sich wie ein Bewerbungsgespräch vorstellen, wie ein Casting. Man spricht ein, zwei Stunden miteinander und checkt erst mal ab: Stimmt die Chemie, mag man sich? Hat man ähnliche Vorstellungen? Dann geht man wieder. Und irgendwann klingelt dann wieder das Telefon und jemand sagt ja oder nein. Und in dem Fall war es zum Glück ein "Ja".

Zwei Stunden allein mit Madonna, davon träumen viele.

Naja, ganz so intim war es nicht, der Koproduzent war auch noch dabei. Sie war gut vorbereitet, hatte meine Filme gesehen, vor allem "Das Leben der Anderen" und "Young Victoria", die sie mochte. Und auf dem Arbeitstisch lagen Dutzende Bildbände, DVDs und Schmuck. Dann erklärte sie mir ihre Sicht der Geschichte und warum sie diesen Film machen will.

Nämlich?

Sie wollte die historische Liebesgeschichte zwischen König Edward VIII und Wallis Simpson und seine Abdankung aus weiblicher Sicht erzählen. Es wird sonst immer so dargestellt, dass er für sie alles aufgegeben hat, ein ganzes Königreich. Und Madonna wollte zeigen, worauf Wallis alles für ihn verzichtet hat. Sie mag Geld und Einfluss gewonnen haben, aber durch die Verbannung und die Verfolgung von den damaligen Paparazzi - die beiden waren ja Celebrities in den Dreißiger Jahren - hat sie auch viel aufgegeben. Und auch die zweite Geschichte, die einer unglücklich verheirateten Frau im New York der Neunziger Jahre, war ihr wichtig.

Wie liefen die Dreharbeiten?

England war ganz gut, wir haben zwei Wochen in einer Wohnung gedreht und wurden weitestgehend in Ruhe gelassen. Schwierig wurde es Frankreich, weil Madonna da regelrecht von Paparazzi verfolgt wurde. So was kannte ich überhaupt nicht, mit Mofas und vorm Set übernachten. In Nizza mussten wird deswegen zweimal die Dreharbeiten abbrechen. Plötzlich waren da Tausend Leute am Set und wir mussten einfach flüchten.

Wie konnte Madonna denn in einem solchen Chaos Regie führen?

Ach, sie ist das ja gewohnt. Sie kann eben nirgendwo hingehen, ohne dass die Leute ausrasten. Normalerweise steigt sie dann ins Auto und lässt sich wegfahren. Und hier musste sie dableiben und eine Szene zu Ende drehen. Und manchmal muss man sich was einfallen lassen, zum Beispiel bei der Szene, wenn Wallis in Frankreich vom Boot steigt und dem Volk winkt, da standen wirklich links und rechts vom Bild die Paparazzi und Hunderte von Wahnsinnigen. Das war schon absurd.

Wie ist Madonna als Regisseurin?

Kreativ. Mutig. Und sehr offen für Vorschläge und vertrauensvoll den Mitarbeitern gegenüber, die sie sich ausgesucht hat. Sie ist niemand, der etwas so und nicht anders haben will, sondern erwartet Vorschläge und sucht sich dann aus, was ihr am besten erscheint.

Wieso ist Madonna da so offen?

Sie ist Musikerin. Das Experimentelle kennt sie aus den Videoclips und sie will ganz unterschiedliche Ideen hören, um sich dann für eine zu entscheiden.

In Interviews wirkt sie dagegen recht bestimmt.

Das ist sie auch, aber "W.E." ist ihr erster richtiger Spielfilm. Und sie war clever genug, zuzuhören, wenn andere Leute eine Idee hatten. Sie hat auch als Musikerin das Talent, Strömungen aufzuspüren und Trends zu erkennen. Nicht umsonst ist sie seit 30 Jahren im Geschäft und erfindet sich immer wieder neu.

Sie nennen "W.E." Madonnas ersten richtigen Spielfilm. Auf der Berlinale lief vor fünf Jahren ihr Regiedebüt "Filth and Wisdom".

Das war für mich ein Experimentalfilm, mit dem sie sich ausprobiert hat. Ich fand den zehn, fünfzehn Minuten lang ganz interessant. Man merkt, dass sie da mal angefangen hat und dann ging es weiter und weiter, das trägt dann nicht die ganze Zeit. Aber er ist auf jeden Fall unkonventionell erzählt.

Sie drehen derzeit Philip Stölzls Historiendrama "Medicus" mit Ben Kingsley in Deutschland und Marrakesch. Sie ziehen also nicht nach Hollywood?

Nein, mein Lebensmittelpunkt ist hier in Berlin und ich pendle nur für einzelne Projekte. Ich versuche beides unter einen Hut zu bekommen, deutschen Film und Hollywood.