Konzert

Klassische Musik, bei der im Konzerthaus gelacht werden darf

Christian Zacharias, als Dirigent wie als Pianist zu Gast beim Konzerthausorchester, erwies sich als wundervoller Sachwalter der Musik.

Ihr allein galt seine Aufmerksamkeit, ob nun in der beschließenden "Rheinischen" Sinfonie Schumanns oder in den beiden Werken Carl Philipp Emanuel Bachs, von denen Zacharias das d-moll- Klavierkonzert selber spielte. Leider lief er dabei in die akustische Konzerthaus-Falle. Der Saal liebt nun einmal keine Klaviere ohne Deckel. Sie klingen dort nicht. So blieb seine Huldigung an den Bach-Sohn, der lange Jahre im Dienste Friedrichs des Großen stand, zwangsläufig ohne die angestrebte Resonanz. Die eroberte sich dagegen ein zweites als "rheinisch" ausgewiesenes Werk: die sechs kurzweiligen "Rheinischen Kirmestänze für dreizehn Bläser" von Bernd Alois Zimmermann. Die Dreizehn erwies sich dabei wieder einmal als Glückszahl. Man hat sich angewöhnt, in Zimmermann, der sich 1970, erst 52-jährig das Leben nahm, immer nur als Unglücksraben zu sehen, als Tragiker von Geblüt. Dabei konnte er auch durchaus fröhlich sein, geradezu ausgelassen und frech, sozusagen zeitweilig ein deutscher Rossini. Jedenfalls schlägt er der musikalischen Ernsthaftigkeit in seinen vorgeblichen "Kirmestänzen" ein Schnippchen, wie es in der zeitgenössischen Musik überaus selten vorkommt. Er verführt seine Musiker zu hochintelligentem, gelächterreichem Gequietsche.

Nichts klingt zusammen, wie es eigentlich sollte. Man spielt eigenwillig und eigensüchtig aneinander vorbei. die einen zu hoch, die andern zu tief. Piccoloflöte und Kontrafagott liegen miteinander witzig im Streit. Es setzt eine beschwipste Kammermusik für Bläser, bei der gelacht werden darf, leider Gottes allerdings nur kärgliche sechs Minuten lang. Aber wann darf man sich bei sogenannter klassischer Musik schon derart amüsieren? Das Publikum zeigte sich, was bei Zimmermann leider nur selten vorkommt, begeistert und wurde mit einem zugegebenen "Kirmestanz" dafür belohnt.