Konzert

Dröhnend und derb: Mötley Crüe und Slash in Berlin

Wenn Mötley Crüe und Slash im Doppelpack zur Aufführung laden, bedeutet das vor allem eins: Purer Rock'n'Roll.

Sowohl was die Musik betrifft, als auch die Lebenserfahrung der Beteiligten. Denn von außen betrachtet wirkt es wie ein Wunder, dass die Herren überhaupt noch in der Lage sind, auf der Bühne zu stehen. Slash, der einstige Gitarrist von Guns N' Roses war einmal nach einer Überdosis acht Minuten lang klinisch tot. Seit seinem 35. Lebensjahr hat er einen Herzschrittmacher. Auch Mötley Crüe-Bassist und Mastermind Nikki Sixx erlitt nach einer seiner sechs Überdosen einen Herzstillstand und musste reanimiert werden. Den intensiven Lebensstil der Altrocker runden ab eine ausgeprägte Vorliebe für Jack Daniels, regelmäßige Prügeleien und ein reges Paarungsverhalten. Details kann man in den jeweiligen Biographien nachlesen.

Nur vor diesem Hintergrund ist das triebhafte Geschehen von verhaltensauffälligen Rocklegenden und ihrer Entourage hinter und auf der Bühne zu verstehen. Etwa, dass halbnackte Tänzerinnen die Bühne schmücken und bei einigen Songs wie "Wild Side" oder "Dr. Feelgood" auch stimmlich aktiv werden. Oder Tommy Lee ein Schlagzeugsolo zu Elektrobeats spielt in einem 360-Grad-Looping. Und wenn zur Verabschiedung die Band zehn Kübel voller roter Farbe ins Publikum leert. Dazwischen immer wieder anzügliche Sprüche, die vorwiegend den Genitalbereich des weiblichen Geschlechts zum Inhalt haben. Und wenn dann noch nach der Show Mötley-Sänger Vince Neil, flankiert von zwei aufreizenden Blondinnen, in einen abgedunkelten Van steigt, und gerade der Minderjährigkeit entwachsene Groupies in geräumige Tourbusse steigen, dann weiß man: Der Rock'n'Roll-Mythos lebt an diesem Abend in Berlin.