Museen

Es geht um die Sehgewohnheiten der Zeitgenossen

Tobias Hoffmann will das Bröhan-Museum erneuern

Jeder neue Museumschef hat seinen Auftrag: "Es besteht seitens der Kulturpolitik ein großes Interesse daran, dass das Bröhan-Museum auch ein jüngeres Publikum erreicht", sagt der Neue. Tobias Hoffmann, Jahrgang 1970, wird Direktor des Charlottenburger Museums. Im Februar 2013 tritt er sein neues Amt an, gestern wurde er von Kulturstaatssekretär Andre Schmitz in Berlin offiziell vorgestellt. Noch leitet Hoffmann das Museum für Konkrete Kunst und Design in Ingolstadt. Hoffmann, ein gebürtiger Münchner, ist in Regensburg aufgewachsen und versteht sich als ein "klassischer Kunsthistoriker". In München hat er studiert, in Stuttgart promoviert über Willy Baumeisters Buch "Das Unbekannte in der Kunst". Baumeister, gleichsam Maler, Bühnenbildner, Akademieprofessor, zählt zu den wichtigsten Künstlern der Moderne. Aber als sein eigentliches Steckenpferd bezeichnet Tobias Hoffmann die "angewandte Kunst und das Design". Das ist auch sein Schwerpunkt in Ingolstadt. Seine Museumslaufbahn begann Hoffmann in Münchens Pinakothek der Moderne. 1999 wechselte er als Kurator nach Ingolstadt, vor zehn Jahren übernahm er dort die Leitung.

Derzeit läuft in seinem Ingolstädter Haus eine auf den ersten Blick etwas merkwürdige Ausstellung mit dem Titel "Raw Materials - Vom Baumarkt ins Museum". Es geht um Spanplatten, Abflussrohre, Schleifpapiere, Tapeten und Farbeimer, was Künstler seit den Sechzigerjahren eben gerne verwenden. Hoffmann hält solche Draufblicke "für charmante Projekte". Schließlich ginge es darum, die Sehgewohnheiten der Zeitgenossen zu treffen. "Das Thema Baumarkt ist heutzutage wichtig", sagt er: "In jedem Mann steckt irgendwie auch ein Handwerker, und das verbindet viele mit Künstlern." Hoffmann betont, dass es ihm nicht um eine Trivialisierung von Kunst geht.

Für sein Berliner Museum kündigt er dennoch einige Veränderungen in der Ausstellungspolitik an. Bislang ist das nach dem Kunstsammler Karl H. Bröhan (1921-2000) benannte Landesmuseum auf Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus spezialisiert. Es ist in Räumen des spätklassizistischen Kasernengebäudes untergebracht, das zum Charlottenburger Schloss-Ensemble gehört. Das Profil des Bröhan-Museums werde er natürlich weiter schärfen, sagt Hoffmann. Aber ihn interessiere vor allem auch die "die aktuelle Antwort der Künstler auf Jugendstil und Art Deco." Alles in allem will Tobias Hoffmann, der mit seiner Frau und zwei kleinen Mädchen jetzt eine Wohnung im Charlottenburger Kiez sucht und beziehen will, künftig kein reines Connaisseur-Museum anbieten.