Konzertkritik

Es fehlte nur noch die Welle: EM-Fieber in der Philharmonie

Immer, wenn Mariss Jansons die Philharmoniker dirigiert, kann man sich im Voraus freuen.

So auch diesmal. Selten bekommt man ein derart populäres Stück wie Smetanas funkelnde Ouvertüre zur "Verkauften Braut" so elegant zu hören wie unter seiner temperamentvollen Leitung. Er bleibt mit dem Taktstock sozusagen immer am Ball. Das tat aber auch Frank Peter Zimmermann, der phänomenale Solist, beim Vortrag des 2.Violinkonzerts von Bohuslav Martinu. Er war im 2. Weltkrieg in die USA geflüchtet und wurde in Europa vergessen. Inzwischen kehrt sein Werk allmählich ins Repertoire zurück. Kein Wunder, wenn ein Geiger wie Zimmermann mit Furor und Intelligenz sich für sein Werk einsetzt.

Zimmermann war stets ein Hoffnungsträger der Musik in Deutschland, aus der Hoffnung ist Gewissheit geworden. Und um sie zu unterstreichen, lieferte er als Zugabe ein Fantasie aus eigener Feder ab, die sich wie eine deutsche Hymne auf die Fußball-EM anhörte: Zimmermann hatte sich aus Haydns Kaiserquartett das Thema gewählt, aus dem die deutsche Nationalhymne hervorging. "Gott erhalte, Gott beschütze" sang es vor sich hin, und diesen nicht ausgesprochenen Wortlaut hat Zimmermann seiner violinistisch virtuosen Bearbeitung auf gewitzte Weise zu Grunde gelegt. Er schoss sozusagen mit seinen zehn Fingern alle Tore.