Auftakt

Documenta 13: Der Bundespräsident im Garten des Nichtstuns

Für die nächsten 100 Tage ist Kassel das Zentrum der Kunstwelt: Bundespräsident Joachim Gauck hat gestern nun die documenta eröffnet.

Die weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst findet zum 13. Mal statt. "Wir brauchen die Kunst wie die Religion und die Philosophie, um tiefer in die Dinge hineinzukommen und uns selber zu entdecken. Kunst kann uns aufwecken", sagte Gauck. Rund 750 000 Besucher werden zur documenta (13) erwartet.

Nach einem Rundgang durch einige Ausstellungsräume erklärte die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev dem Bundespräsidenten den "Doing-nothing-Garden" (Nichtstun-Garten) des chinesischen Künstlers Song Dong, ein aus Müll und Abfällen aufgeschichteter - und mittlerweile mit Gras und Blumen bewachsener - Hügel.

Er habe zuvor über die Schau in der Zeitung gelesen, sagte Gauck. "Und da dachte ich: "Mein Gott, wo gehst du hin?" Aber mein Kopf und mein Herz haben etwas bekommen. Also, es war eine andere Begegnung, als die über die Medien zuvor", erzählte er nach dem Rundgang. Einiges erkläre sich fast von selbst, bei anderem brauche man einen kleinen Hinweis, sagte Gauck. Der Bundespräsident bekam nicht nur viel Beifall von den Zuschauern, sondern auch Blumen von einem Kind und ein Fußball-Trikot eines türkischen Vereins.

Beeindruckt hatte Gauck das Werk des Frankfurter Künstlers Thomas Bayrle, ein acht Meter hohes und über 13 Meter breites Schwarz-Weiß- Bild eines Flugzeugs, das aus unzähligen kleinen Flugzeug-Bildern zusammengesetzt ist. Sieben auf Podeste montierte Automotoren "beten" Bayrle zufolge und kommentieren so den Traum vom Fliegen. Eine Verbindung von alten Motoren mit Texten aus Kirchenräumen - "das habe ich noch nicht gesehen", sagte Gauck.

Die Teilnehmerliste der 13. documenta umfasst 297 Namen, darunter auch Wissenschaftler, Mitarbeiter des Kuratorenteams und bereits gestorbene Künstler wie Salvador Dalí. Was diese Teilnehmer ausstellen, "mag Kunst sein oder nicht", hatte documenta-Chefin Christov-Bakargiev bei der Vorstellung ihres Konzepts erklärt. "Die Grenze zwischen dem, was Kunst ist und was nicht, wird unwichtiger." Außer in Museen und Parks wird die Kunst auch an vielen alltäglichen Orten zu sehen sein - in einem Bahnhof, einem Bunker, einem Hotel mit Ballsaal, in Kaufhäusern oder in leerstehenden Büros.