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Anton Haberditzl (50), Buchhandlung Lesezeichen, Hohenzollernplatz 7, Nikolassee: Arthur Schnitzler 1928 erschienener zweiter Roman "Therese" schildert ein über das ganze Leben biographisch aufgefächertes Frauenschicksal der Jahrhundertwende. Nach dem Tod des Vaters will Thereses Mutter sie mit einem alten, reichen Grafen verheiraten, um sie abzusichern. Doch Therese geht stattdessen als Hauslehrerin nach Wien. Schnell taumelt sie von einer Anstellung in die nächste, hat Liebeleien, nie feste Beziehungen, und bekommt auch noch einen unehelichen Sohn, der zum Kriminellen heranwächst. Nur einmal scheint sich alles zum Guten zu wenden, als ein älterer Herr ihr einen Heiratsantrag macht. Wie so oft glimmt ein wenig Hoffnung auf, bevor alles um Therese zusammenbricht. Trotz aller Melancholie blitzt immer wieder Lebensfreude auf. Ein schönes, wenn auch trauriges Porträt, das einen regelrecht mitreißt in den Strudel des Abgrunds.

Arthur Schnitzler: Therese, Fischer, 304 Seiten, 9,95 Euro.