Andreas Slominski

Gegen Mauern im Kopf

Andreas Slominski lädt mit seinen "Walls" im Park der Villa Schöningen zu Gedankenspielen ein

Im Garten der Villa Schöningen blühen prächtig die Salvien. Die Vögel in den Bäumen hört man hier deutlicher als in der Stadt. Ein schönes Stück Erde. Wären da nicht diese Baustellen mitten im Garten, denkt der Berliner, der sich tagtäglich mit unwägbaren Absperrungen in der City herumschlägt. Mörteltöpfe, Gerüste, ein Handwerker kurvt mit Schubkarre herum. "Eine angenehme Baustelle", sagt er zu einem älteren Herrn, der fragt, wie es sich hier so mauert. Richtig gesehen, aber falsch gedacht. Die Irritation ist Programm, die Objektkünstler Andreas Slominski hier im Grünen mit seinen "Walls" auslöst. Eine Mauer hat schließlich jeder im Kopf.

Slominski verwandelte den Garten in eine Art Gedächtnispark zum Anfassen. "Die Idee kam ganz schnell", erzählt er. Ausgerechnet hier, an der Glienicker Brücke, an diesem geschichtlich aufgeladenen Ort, Symbol der Teilung, zog er die Mauer wieder hoch. Eigentlich sind es fünf, die in vier Wochen in einem gemeinsamen "Work in progress" aufgestellt wurden.

Dabei fungierte Slominski quasi als Bauleiter, für die handwerkliche Ausführung heuerte er das Bauunternehmen Roland Schulze an, die Firma ist spezialisiert auf schwieriges Baudenkmal. Tag für Tag wurde eine Schicht gelegt, regelmäßig von Slominski begutachtet; sein Atelier hat er nicht weit entfernt in Werder.

Fünf Modellvarianten entwarf er, mit verschiedenen Steintypen. Mächtige Betonsteine sind dabei und rot leuchtende Ziegel im Klosterformat, wie sie in Lindow verwendet wurden. "Mauer 2" wurde von außen nach innen gemauert. "Mauer 3" ist über zwei Meter hoch und in einem gigantischen Drehrahmen verankert. Heute soll sie mithilfe des Mechanismus auf den Kopf gestellt werden. Gefährliche Sache. "Wie das Leben selbst, wenn es auf den Kopf gestellt wird", erklärt der Künstler.

Vorne, gleich am Eingang des Parks, steht die kniffligste Wand. Warum bloß baut man von oben nach unten? Der Künstler lacht - und sagt nichts. Das macht er gerne.

Die Verrätselung gehört zu seinem künstlerischen Prinzip, alle Deutungen sind offen. Jeder ist seines Gedankens Schmied. "Betriebsgeheimnis", scherzt auch der Arbeiter. Über drei Tonnen ist der Brocken schwer. Oben "hängen" die Steine an einem Stahlbalken, Gewichte an straffen Seilen balancieren die Statik aus, sieht kompliziert aus, die Technik ist nicht so einfach zu verstehen. Kein Wunder, basiert sie doch auf Methoden des mittelalterlichen Gewölbebaus. Diese beherrschen heute nur noch wenige.

Slominski legt mit seinen "Walls" einmal wieder trickreich seine Schlingen aus, wie oft in seinen skurrilen Objekten - dazu gehören Windmühlenflügel, Tierfallen oder gar Unterwassermelkmaschinen -, baut Denkfallen ein, die um Fragen kreisen wie: Wann ist Kunst eigentlich Kunst oder ist sie auch Handwerk? Das Vertraute, Gewöhnliche entpuppt sich häufig als äußerer Schein. Oft ist es so, dass er Alltagsgegenstände ironisch in den Kunstkontext überführt. In Potsdam ist es ein historisches Symbol, das Geschichte geschrieben hat.

Villa Schöningen, Berliner Straße 86, Potsdam. Vom 1. Juni bis 1. Oktober.