Bühne

Komödie: Ein naiver Finanzbeamter im Renaissance-Theater

Peter Brochalke ist ein cleverer Verleger, der sich einmal die Woche mit seinen Kumpels zum edel Essen trifft.

Der grausige Kitzel der feinen Veranstaltung: Ein jeder bringt zum hinterrücks aasigen Amüsement der Gebildeten einen vermeintlich ausgemachten Volltrottel mit. Und wer zu Tisch den Deppertsten anschleppt, kriegt als Preis 'ne Pulle. Diesmal sieht Brochalke sich als Gewinner: Mit der Zufallsbekanntschaft Peter Ritzke, einem einsamen, dabei äußerst liebenswürdigen, freilich etwas skurrilen Finanzbeamten, der seine leeren Abende damit füllt, historische Bauwerke aus Streichhölzern nachzubasteln. Für den Sportpalast brauchte er exakt 444 327 Hölzchen und 37 Tuben Kleber. Nun steht Ritzel mit Hut und Aktenmappe artig bei Brochalke auf dem Teppich, um mit ihm zum verabredeten Gelage aufzubrechen. Doch es kommt alles ganz anders in der Komödie "Von hinten durch die Brust ins Auge", die im Renaissance-Theater das Publikum prompt von den Sitzen riss.

Das Stück des französischen Autors Francis Veber (er schrieb auch die Drehbücher für Kino-Hits wie "Käfig voller Narren" oder "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh") ist eine Steilvorlage für Schauspieler, die in der feinmotorischen Regie von Guntbert Warns sämtliche Register ziehen: Denn das menschenverachtende Abendmahl fällt aus: Brochalke (Robert Gallinowski) liegt mit Hexenschuss flach in seinem Luxus-Loft (Momme Röhrbein) sowie im Dauerclinch mit Ritzel (Boris Aljinovic). Dem fällt nunmehr die Führung des total durchgeknallten Abends zu, an dem der entnervt brüllende Brochalke erst die Gattin, dann die heimliche Geliebte verliert (beide: Annika Mauer), gar die Steuerbehörde am Hals hat (Thomas Schendel). Derweil rackert sich der alles gutmeinende Naivling Ritzel ab. Tolles Schauspielertheater in einer Turbo-Klamotte, die verwegen mit Flachsinn um sich ballert.

Renaissance-Theater, Knesebeckstr. 100, Charlottenburg. Tel.312 42 02 Bis 16. September