Krimi

Commissario Brunetti löst seinen 20. Fall im herbstlichen Venedig

Andere Serienschreiber wären - nach zwanzig Büchern in zwanzig Jahren - längt in den Modus der Selbstparodie gewechselt. Donna Leon aber ist davor gefeit.

Zum einen ist ihr alles Grelle zuwider (selbst ihr Humor hat ja etwas Hochgeschlossenes); zum anderen liebt sie ihren Commissario Brunetti noch inniger, als es die Brunetti-Gattin Paola tut, die in "Reiches Erbe", Brunettis 20. Fall, eine literaturwissenschaftliche Arbeit über die Lichtmetaphorik im Spätwerk von Henry James betreut. Und damit ist, gewissermaßen im Vorübergehen, die Melodie dieses neuen Brunetti intoniert: Es ist Herbst in Venedig, der Winter des Lebens steht vor der Tür. Eine ältere Dame ist einem Herzschlag erlegen, es könnte ein Mord durch Erschrecken sein. Doch es geht langsam voran in "Reiches Erbe" - fast so, als wär's ein Spätwerk von Henry James.

Donna Leon: Reiches Erbe. A. d. Engl. v. Werner Schmitz. Diogenes, Zürich. 317 S., 22,90 Euro