Interviewkosten

3232 Dollar für Pitt: Wie die Stars zur Kasse bitten

Brad Pitt kostet 3232 Dollar, 20 Minuten allein mit ihm in einem Raum.

Kristen Stewart ist billiger zu haben, für 1293 Dollar. Dies sind die Preise beim Festival in Cannes, für Journalisten, die ein Interview führen wollen. Die Preisliste stammt von der kanadischen Produktionsfirma Alliance. Es ist nicht das erste Mal, dass versucht wird, die Medien zur Kasse zu bitten. 2007 soll Harvey Weinstein 1500 Dollar pro Interviewplatz bei Quentin Tarantino für "Death Proof" verlangt haben. Fünf Jahre später ist Alliance nicht mehr allein. Die Firma Planet Media verlangt allein für die Teilnahme an einer Pressekonferenz mit Nicole Kidman 650 Euro per Person. Nun darf man nicht glauben, bei Interviews sei bisher kein Geld geflossen. Die Stars lassen sich diese Arbeitsleistung bezahlen, und der Produzent reicht die Kosten an die Verleiher weiter. Was sich allerdings nun auszubreiten droht, wäre ein Systembruch. Medien sind eben keine weiteren Partner in der Vermarktungskette, auch wenn die Produzenten sie gern als solche sähen. Bisher lautete die Vereinbarung wie folgt: Die Stars stellten sich gratis zur Verfügung und erhielten - ebenfalls kostenlos - durch das veröffentlichte Interview ein Forum in den Medien. Nun sollen die Letzteren doppelt bezahlen: Indem sie auf das neuste Meisterwerk aufmerksam machen und indem für das Privileg blechen, mit Ihrer Hoheit sprechen zu dürfen.

Die Kinoindustrie wird abwinken, bei den Beispielen handle es sich um vernachlässigenswerte Ausnahmen, um arme Firmen. Trotzdem braut sich dieser Tage unter den Journalisten an der Croisette ein kleiner Sturm der Empörung zusammen. Soweit bekannt, hat noch kein großes Medium das Scheckbuch gezückt. Wehret den Anfängen.