Demonstration

Nach dem Protest ist vor dem Protest

Kundgebung vor dem BAT-Theater: Trotz Einigung über den Neubau der Ernst-Busch-Hochschule ist der Kampfgeist der Schauspielschüler intakt

Etwas angeschlagen sehen sie aus, der eine oder andere Schatten zeichnet sich ab unter den jungen Schauspieler-Augen; ganz schön anstrengend so eine Protestwoche. Sie sind die Demonstranten mit den lachenden Gesichtern. Die Kameras lieben sie; gelernt ist eben gelernt. Den Studierenden der Hochschule für Schauspiel "Ernst Busch" konnte man in den vergangenen Tagen nicht entkommen. Egal ob man sich gemütlich eine Inszenierung des Theatertreffens ansehen wollte, zufällig auf dem Sofa bei Gottschalk vorbeizappte oder einfach nur beim Kartoffelkochen Radio hörte - "Die Busch" war immer schon da und machte mit spektakulären Aktionen von sich reden. "Torsten Schneider - Halsabschneider", "Bitte, bitte nach Mitte" sangen sie und "Wem gehört die Stadt?". Immer friedlich, stets sympathisch, kreativ. Alles andere wäre auch enttäuschend gewesen für Deutschlands renommierteste Talentschmiede.

"Wir haben eine richtige Terrorzelle gebildet und die letzten Nächte nur zwei bis drei Stunden geschlafen. Wir hatten noch so viele Pläne!", sagt Max, Schauspielstudent im zweiten Jahrgang und er klingt beinahe enttäuscht. Die Entscheider haben zähneknirschend nachgegeben, der neue Standort der Schule in Mitte ist gesichert. "Als wir hörten, dass uns das Geld für den Bau zugestanden wird, fielen wir aus allen Wolken. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde." Der Tag der offenen Tür am Samstag im BAT Prenzlauer Berg, der eigentlich als weitere Kundgebung geplant war, wurde denn auch schnell zum "Tag der eingetretenen Tür". Party statt Protest.

Nur scheint Protest mehr Leute anzuziehen, die Menschen mögen nun mal Randale. Daher sieht man an der Belforter Straße eine übersichtliche Menschenmenge auf den Stufen des Gebäudes, die meisten von ihnen sind selbst Busch-Studenten. Ein Kunstprofessor mit Elton-John-Brille hat wohl den Wochenendbrunch abgesagt, Rektor Engler trägt eine schwarze Häkelmütze.

Eine Viertelstunde nach geplantem Programmbeginn ein erstes Lebenszeichen. "Die Veranstaltung wird um eine halbe Stunde verschoben.", hallt es aus dem Off. Dafür ist dann wohl das Schlafdefizit verantwortlich. Macht aber nichts, der Grill war eh noch nicht aufgestellt.

Die Videoinstallation, die diesen offenen Tag (der sich mehr zu einem Kiez-Fest entwickelt) eröffnet, ist zwar nicht ganz aktuell, dafür greift die Schülerschaft erneut auf eine ihrer stärksten Waffen zurück: Prominente Unterstützung. Aushängeschilder der Theater- und Filmlandschaft wie Nina Hoss, Lars Eidinger oder Matthias Schweighöfer empören sich. Während Oliver Reese, Intendant des Schauspiel Frankfurt, Schlagworte wie "Skandal" "Schindluder treiben" und "die Stadt blamiert sich" fallen lässt, nimmt im Hintergrund ein Vater seinem schreienden Kind den Ball weg. Symbolik spielte schon immer eine große Rolle im Theater.

Als Ernst-Busch-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Engler zur offiziellen Begrüßung die Bühne betritt, ist der Saal auf einmal voll. Hat der Würstchenduft die Massen angelockt? "Es ist etwas absurd, dass wir immer noch mit der Sparbüchse durch die Stadt laufen.", sagt Engler. Die Kompromissbereitschaft der Schule hat zwar den Bau des Zentralstandortes gesichert, auf eine Mensa und Grünanlagen muss aber bis auf Weiteres verzichtet werden. 1,85 Millionen Euro fehlen. "Also, wenn sie jemanden kennen...", fügt er mit einem beschämten Lächeln hinzu.

Kurz darauf sieht man ein paar Jungs in Unterhosen, die von der Staatlichen Ballettschule kommen. Sie tanzen sich die Seele aus dem Leib, Lieder werden vorgetragen und Lesungen gibt es auch. finden statt. Die fleißigen "Buschler" schenken Getränke aus und grillen Würstchen; nur zum Schlafen kommen sie vorerst nicht.