Horst Faas

Ein Fotograf im Jahrhundert der Kriege

Untrügliches Gespür für die Wirkungsmacht des Bildes: AP-Fotoreporter Horst Faas stirbt mit 79

Es klingt makaber, aber seinen Durchbruch als Kriegsfotograf hatte Horst Faas in den Schützengräben von Vietnam. Wer wollte dort schon hin? Diese Mission zog nur starke, eigenwillige Charaktere an. Nur einen Klick entfernt von der eigenen Kamera vollzog sich das Entsetzliche. Jeder, der dorthin ging, wusste, da konnte tagtäglich alles in die Luft fliegen. 1962 reiste Faas mit seinem Equipment an, wann er zurückkehren würde, wusste er nicht. Er blieb bis 1974 - im Auftrag der Nachrichtenagentur AP, Associated Press. In seinem Buch "Lost over Laos" beschrieb Faas später, wie er dem fatalen Sog folgte. "Vietnam", so der Reporter, "hat ohne Zweifel die besten Journalisten angezogen." Er gehörte dazu.

1933 wurde Faas in Berlin geboren, erstaunlich, dass er den Berlinern, ja auch den Deutschen wenig bekannt ist. Das hat einen simplen Grund. Fass lebte ja kaum in seiner Heimat - er war ein Fotograf im Jahrhundert der Kriege: Algerien, Bangladesch, Kongo. Hinzu kommt, dass Agenturjournalisten oft namenlos hinter den Fotos als "Mr. AP" zurückbleiben. Doch im Zirkel seiner Kollegen war er hoch geschätzt. Gleich zweimal erhielt er den Pulitzer-Preis, 1965 als erster Deutscher.

Dass gerade er, ein Mann, dessen Leben sich durch Mobilität auszeichnete, die letzten Jahre weder reisen noch fotografieren konnte, schlimmer noch, er an den Rollstuhl gefesselt war, muss ihm hart zugesetzt haben. Seine Lähmung war angeblich Folge einer schwerwiegenden Infektion, die er sich bei einem Korrespondententreffen in Hanoi zugezogen haben soll. Am Donnerstag starb er in einem Münchner Krankenhaus. Faas hatte einen unglaublichen Sinn für die Wirkungsmacht eines Bildes, mit großer Einfühlung scannte er sofort im Kopf, was ein Foto besonders machte. Er war es, der die Veröffentlichung des weltbekannten und symbolhaften Vietnam-Fotos durchsetzte. Wer es gesehen hat, vergisst es kaum. Geschossen hat es sein AP-Kollegen Nick Ut im Juni 1972: Es zeigt die vor einem Napalmangriff fliehende neunjährige Kim Phuc. Nackt und schreiend rennt die Kleine mit ausgebreiteten Armen eine Straße entlang. Im Hintergrund steigen dicke, schwarze Rauchwolken auf. Um das Mädchen herum sind weitere weinende Kinder. Einige AP-Kollegen lehnten den Druck des Bildes damals ab. Zu grausam! Es brachte Ut einen Pulitzerpreis ein.

Fass wusste, was sein Beruf ihm und den Kollegen abverlangte. Er schrieb verschiedene Bücher darüber, wie Bildjournalisten an der Front arbeiten, wie sie sich durchkämpfen, wie sie sterben. "Ich hatte einfach Glück", so lapidar hat er seinen Einsatz beschrieben. "Requiem" ist sein wohl bekanntestes Erinnerungsbuch, das er zusammen mit Tim Page veröffentlicht hat. Eine Hommage an über 100 Fotografen, die in Vietnam ihr Leben verloren.

Später arbeitete er als Senior Photo Editor in der AP-Zentrale London, war verantwortlich für die Bildauswahl aus dem Nahen Osten, Europa und Afrika. Dort sichtete er damals am "war-desk" die Fotoflut aus dem Irak-Krieg. "Und was die Seele betrifft", sagte er, "man darf sich nicht von seinen Gefühlen mitreißen lassen, nicht Partei ergreifen. Ich musste nicht den Krieg gewinnen, sondern eine gute Story bringen."