Kommentar

Ein unwürdiges Schauspiel

Stefan Kirschner

Stefan Kirschner über den Umgang mit der Schauspielschule

Es klingt wie eine Posse: Seit einem Jahrzehnt wird ein neuer Standort für die Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" gesucht. Die genutzten Räumlichkeiten in Niederschöneweide, Lichtenberg und zwei in Prenzlauer Berg sind marode und liegen verstreut. Seit Jahren plant die Verwaltung einen Umzug der europaweit bekannten Hochschule auf das ehemalige Gelände der Opernwerkstätten an der Chausseestraße, ein landeseigenes Grundstück. Zuvor war eine Ansiedlung in Pankow wegen gestiegener Kosten verworfen worden.

Mit demselben Argument soll jetzt auch der erstklassige Standort in Mitte begraben werden. Es geht um zwei Millionen Euro, ein vergleichsweise lächerlicher Betrag bei einem 36- Millionen-Projekt. Scheinbar wollen ambitionierte Jungpolitiker, die seit den Wahlen im Herbst mehr Verantwortung tragen, jetzt ein Exempel statuieren: Eines für mehr Haushaltsdisziplin, nachdem diese bei den Etat-Beratungen unter die Räder gekommen ist.

Der Imageschaden dieser Aktion ist kaum zu beziffern. Denn Berlin punktet nicht mit Industrie, sondern mit Kultur - und ein Aushängeschild ist die renommierte Busch-Hochschule. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sollte sich endlich in die Debatte einschalten. Noch kann er das Schlimmste verhindern.