Bühne

Nur wenige wollen Harald Schmidt in der Philharmonie sehen

Wenn drei Japaner in SS-Uniform in die Theaterkantine kommen, dann kann nur der "Freischütz" auf dem Programm stehen. Wer reißt schon solche Witze über das moderne deutsche Dreispartentheater?

Harald Schmidt, aus dem "maroden Westen" kommend, wie er sagt, wo man mittlerweile schon fünfzehn Minuten mit der Bahn fahren muss, "um überhaupt noch Theater erleben zu können", hat da keine Berührungsängste. Das Berliner Publikum mit ihm aber schon. Erschreckend leer ist die Philharmonie am Sonntagvormittag, als der gerade auf Sat.1 verstummte Spätabend-Talker mit dem Concerto Köln Mozarts unbedeutendes Singspielchen "Der Schauspieldirektor" aufführt.

Sehen wir das Quoten-Debakel einmal positiv: Mit Schmidt, der jetzt bei Sky untertaucht, lässt sich in der Philharmonie ein anderes reifes Publikum gewinnen - überraschend viele Männer "Typ Manager" sitzen da und lachen lauthals über seine Zwischendurch-Spötteleien über den Direktor, das Diven-Gehabe und eine mögliche "Nabucco"-Aufführung an der Grenze zu Nordkorea. Letztlich aber jagt ein Kulturklischee das nächste, die schnelle Pointe zählt. Das ist Schmidt pur. Zwischendurch beweist er sich wieder als der große Zyniker der Überflussgesellschaft. Aber die war - was viele so empfinden werden - gestern. Das Klassikpublikum will jedenfalls davon nichts hören. Zuvor waren bereits mehrere Konzerte der Tour wegen mangelnder Kartennachfrage ausgefallen. Dabei spielt das Concerto Köln voller Leidenschaft und die beiden jungen Sängerinnen sind herzallerliebst.

( vbl )