Antisemitismus

Studie: Sportvereine haben Juden bereits 1933 ausgeschlossen

Bevor die Nazis an die Macht kamen, spielte es keine Rolle, ob der Mannschaftskamerad Jude war.

Doch dann waren es die Sportvereine, die 1933 "Arier-Paragrafen" einführten und Mitglieder jüdischen Glaubens systematisch ausschlossen. "Die Verbände sind von sich aus aktiv geworden", betonte Sportwissenschaftler Lorenz Peiffer bei der Vorstellung des Buchs "Juden im Sport während des Nationalsozialismus". Gemeinsam mit seinem Kollegen Henry Wahlig analysierte er die Verbandspresse, wertete jüdische Zeitungen aus und befragte Zeitzeugen. Auf diese Weise gelang es ihnen, die Lebenswege von 200 jüdischen Sportlern nachzuzeichnen. Guy Stern etwa, der aus dem MTV Eintracht Hildesheim rausgeschmissen wurde, erinnert sich so: "Aus der Rückschau ist das eine Bagatelle in Anbetracht dessen, was später geschehen ist. Aus der Perspektive eines Jugendlichen, der wirklich mit Herz, mit flammendem Enthusiasmus dabei war, war es ein wirklich einschneidendes Erlebnis."

Die Vereine kamen landesweit den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 zuvor. "Es gab keine Proteste aus den Vereinen", sagte Peiffer. Der OTV Osnabrück habe sogar 1924 jüdische Mitglieder ausgegrenzt. Offensichtlich war der Antisemitismus in den vermeintlich kameradschaftlichen Sportorganisationen weit verbreitet. "Gerade die Turner waren immer sehr national-völkisch ausgerichtet", sagte Peiffer. Auch um vor den Olympischen Spielen 1936 in Berlin den Schein zu wahren und den von den USA drohenden Boykott abzuwenden, duldeten die Nationalsozialisten jüdische Sportvereine; zumindest bis 1938, dem Jahr der Reichspogromnacht, dem Ausgangspunkt für die systematische Verfolgung der Juden.