Kunst

Fünf Mauern an der Glienicker Brücke

Im Garten der Villa Schöningen startet Andreas Slominski sein ungewöhnliches Kunstprojekt

Ein Hämmern und Klopfen im Garten der Villa Schöningen in Potsdam. Handwerker wuseln herum, Betonsteine, ein riesiger Mörtelpott, Wasserwaage. Leise dudelt ein Radio. Ungewöhnlich für einen heiligen Sonntag wie diesen. Noch ungewöhnlicher aber ist, dass Andreas Slominski, ganz in sommerliches Weiß gewandet, mittendrin steht in dieser Baustelle zwischen Flieder und Apfelbäumen. Der Künstler quasi als Polier, und der demonstriert obendrein noch seinen typischen Slominski-Humor. Die große blaue Ikea-Tüte hat er lässig über die Schulter geworfen - der Heimwerker ist unter uns!

Hier also, an diesem geschichtsträchtigen Ort an der Glienicker Brücke, baut er die Mauer wieder auf. Besser gesagt, werden es fünf Mauern in fünf Wochen sein - angelegt als "work in progress". Slominski: "Nach einer Stunde Bedenkzeit wusste ich sofort, es gibt keinen besseren Ort für meine Werkserie." Nun also trifft zeitgenössische Kunst direkt auf Geschichte, wie sie in der Dauerausstellung des Privatmuseums präsentiert wird.

Zehn bis zwölf Tonnen Steine will der 52-Jährige in den nächsten Wochen vor den Augen der Besucher verbauen lassen. Am 2. Juni sollen die "Walls" dann vollendet im Garten stehen.

Nun ist es im Slominski-Universum gewöhnlich so, dass die Dinge nie sind, wie sie scheinen. So wundert es kaum, dass er die fünf Modellmauern mit unterschiedlichen Steintypen kreiert hat. Rot, Weiß, Gelb, alles dabei. Das ist nicht alles: "Mauer 2" wird von außen nach innen gebaut, 2,50 Meter hoch, vier Meter lang. "Mauer 4" ist nach dem archimedischen Prinzip ausgetüftelt, das ist so schwierig, dass man am besten den Künstler vor Ort noch einmal fragen sollte. "Mauer 3" gar wird auf den Kopf gedreht, so steht es jedenfalls auf dem Bauschild. Steine im traditionellen Klosterformat, wie sie in Lindow verwendet werden, stapeln sich auf dem Rasenstück. Ganz vorne im Grünen steht das Gerüst für "Mauer 5", die es eigentlich nicht geben kann, denn sie soll "von oben nach unten" gebaut werden. Slominski lakonisch: "Das ist für mich ein Bild fürs ganze Leben, wenn Dinge auf den Kopf gestellt werden."

Für diese bauliche Raffinesse bekommt er Hilfe vom Bauunternehmen Roland Schulze, spezialisiert, so lesen wir, auf historische Fassaden und schwierigen Mauerwerksbau. Es gibt wohl schon Wetten, ob dieses Projekt überhaupt statisch funktionieren kann. Doch ein Meisterbetrieb kennt sich schließlich aus, es gibt eine 350 Jahre alte Gewölbetechnik, die es offenbar möglich macht, mittels Gewichten diese ungewöhnliche statische Spannung auszugleichen.

Slominski steht mittlerweile wieder vor "Mauer 3" und erklärt, dass seine "Walls" schlichte, klare und abstrakte Skulpturen seien. Und wir wissen ja, dass er ein ausgebuffter "Fallen"-Steller ist. Einfache Alltagsobjekte entpuppen sich als autonome Kunstwerke. Die Absurdität, die seine Objekte teilweise besitzen, verweist nicht selten auf die Frage: "Was ist Kunst?" Und ganz nebenbei: Wie ist das eigentlich mit unserer Mauer im Kopf?

Den ganzen Sommer lang wird der "Mauerpark" in Potsdam geöffnet bleiben. Und danach, kommen dann die Berliner Mauerspechte? Wer weiß. Andreas Slominski jedenfalls wird sich etwas einfallen lassen.

Villa Schöningen, Potsdam. Di. bis Fr. 11-18 Uhr, Sa./So. 10-18 Uhr. Eröffnung der Ausstellung: 3. Juni.