Dirigent

Gustavo Dudamels Luftsprünge in der Philharmonie

Gustavo Dudamels Dirigieren zu erleben, ist für die Orchester, der er leitet, wie für die Zuhörer ein Erlebnis.

Dudamel dichtet die Musik geradezu mit seinen Armschwüngen und gelegentlichen Luftsprüngen mit Entschiedenheit nach. Dabei ist er, gebürtig in Venezuela, erst 31, aber seit einigen Jahren schon Chefdirigent eines der besten Orchester der Welt, des Los Angeles Sinfonieorchesters. Gelegenheit zu wechselndem Ausdruck gab es in seinem Programm mit den Berliner Philharmonikern in Fülle. Dudamel begann mit den träumerischen Kindergeschichten, die Ravel unter dem Titel "Mutter Gans" in luxuriösen Klangfarben niedergeschrieben hat. Er verwandelte sie in einen Triumph der Zartheit, der Stille, der Achtsamkeit.

Danach spielte Leonidas Kavakos auf seiner bezaubernd wohlklingenden Stradivari das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold, 1945 verschiedenen eigenen Filmmusiken abgelauscht. So also klingt in Musik verzaubertes Hollywood: anfangs wehmütig, dann nachdenklich, endlich auf rasant hochgedrehte Weise die Ohren bestürmend. Der Virtuose Kavakos sah sich gefeiert. Gefeiert wurde zum Schluss aber auch Richard Strauss mit seiner phänomenalen Huldigung an Friedrich Nietzsche, die er "Also sprach Zarathustra" nannte.

( Gtl )