Architektur

Ein Masterplan fürs Humboldt-Design

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Gabriela Walde

Entwurf für 18.000 Quadratmeter: Ein Deutscher und ein Amerikaner arbeiten am Interieur

Endlich: Nach all den Expertenrunden, akademischen Podien und öffentlichen Debatten rund um die Gestaltung des Humboldt-Forums ist jetzt ein Schritt nach vorne gemacht. Der Amerikaner Ralph Appelbaum und der Deutsche Philipp Teufel werden zusammen den Masterplan für die Szenografie, also das museale Ausstellungsinterieur entwickeln. Damit beginnt jetzt auch die verdichtete Arbeit an der inhaltlichen Ausrichtungen der zwei großen Sammlungen, des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, die künftig das Forum bespielen werden.

Mit Appelbaum und Teufel hat sich ein recht ungewöhnliches Tandem gebildet. Da verbindet sich ein kleines Spezialbüro in der Nähe Düsseldorfs mit einem internationalen Großbüro, das Standorte in New York, London und Peking hat. Appelbaum arbeitet erstmals in Deutschland und weiß, dass er an einem - in Größe und Anspruch - außergewöhnlichen Projekt mitwirkt. Schließlich müssen sich die Entwürfe mit allen modernen Museumskomplexen der Welt messen lassen, das Humboldt-Forum gilt als kulturelles Vorzeigeprojekt der Deutschen. Ein Politikum.

Applebaum hat in über dreißig Jahren genügend Erfahrung sammeln können mit komplexen Bauten, zu seinen Renommierprojekten gehören das National Museum of World Religions in Tapei, das National Museum of Scotland in Edinburgh, das U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington und das Russian Jewish Museum and Tolerance Center. Man darf also annehmen, dass sich der Mann auskennt, wenn es um kulturhistorisches Fingerspitzengefühl und nationale Eigenheiten geht. Die rund 150 Auszeichnungen jedenfalls legen das nahe. Philipp Teufel dagegen ist eher der Mann fürs Regionale, er kennt sich bestens aus mit den verschiedenen Museen am Frankfurter Museumsufer. Seine wichtigsten Projekte sind unter anderen das Deutsche Filmmuseum und das Historische Museum am Main. Die beiden Museumsdesigner müssen insgesamt knapp 18.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bespielen, auch die viel diskutierte Agora wird Teil dieses ganzheitlichen Konzepts. Über 10.000 bekommt allein das Ethnologische Museum, die Asiatische Kunst bekommt die Hälfte, etwas mehr als 5000 Quadratmeter. Die beiden planen mit 32 Millionen Euro für Bau- und Ausstattung. Vier Jahre sind für die Planung veranschlagt, eröffnet werden soll das Humboldt-Forum im Jahr 2019. "Wir müssen nicht heute modern sein, sondern unsere Entwürfe müssen auch in sieben Jahren den visuellen Entwicklungen noch genügen", erklärt Teufel. Der Designer will damit auf die rasanten digitalen Entwicklungen hinweisen, gerade junges Publikum möchte heute multimedial animiert werden.

Dabei fällt immer wieder der Begriff der "Demokratisierung" des Museums. Gemeint ist, dass für die verschiedenen Besuchergruppen, egal ob Bildungsbürger, schnelle Touristen oder Schüler, "unterschiedliche Vermittlungsebenen" entwickelt werden müssen. Die Gesamtinszenierung soll dabei die vielen Fenster des Schlosses positiv mit einbeziehen, so dass sich Sichtbeziehungen zur Stadt draußen ergeben. "Museen sind heute keine isolierten Räume mehr, der Besucher soll sehen, was draußen so alles passiert!" erklärt Teufel. Wir dürfen gespannt sein, wie die beiden das managen.