Kunst

Gallery Weekend: Fünf Künstler, die man nicht verpassen sollte

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Gabriela Walde

Bilder, Skulpturen, Installationen - das Pflichtprogramm

Eine Aktion von Occupy? Oder wieder eine Performance der "Anonymous Artists"? Hunderte Leute, eher jung, drängten sich am Eröffnungsabend der Berlin Biennale dicht an dicht vor den Kunst-Werken. Gleich schräg gegenüber gab's für Sammler und Galeristen im neuen Art-Hotspot Jüdische Mädchenschule ein reichlich cocktailhaltiges Vorglühen zum Start des Gallery Weekends. Hier stand eher die internationale Kunst-Community im Hof. Schon gegen 19.30 Uhr war die Auguststraße ein wimmelnder Laufsteg der Kunst, kein Durchkommen mehr. Die Polizei sperrte die Straße. "Die Kunst siegt!" ruft ein Mann in Schwarz.

51 Galerien gehören dieses Mal zum offiziellen Programm des Gallery Weekends, das bis Sonntag geht.

Der Exzentriker: Keiner will Julian Schnabel, den Großmeister, Regisseur, Maler, Fotograf, verpassen. Zwanzig seiner monumentalen Bilder zeigt er bei CFA am Kupfergraben. Offenbar hat Schnabel Berlin gerade für sich entdeckt, die letzten Monate war er öfters hier. Auch im Gropius-Bau ist er bei "Art and Press" mit einer großen Wandarbeit vertreten. (CFA, Kupfergraben 10, Tel. 2887 870)

Die Architektin: Ein wenig exzentrisch ist auch Zaha Hadid, die "Sphinx" der Architektur. Genauso wie ihre Bauten, die aussehen, als ob sie an Gleichgewichtsstörungen leiden. Dass die Lady auch malt, wissen die wenigsten. Ihre Malerei sind aber autonome Studien, keine Entwürfe, wie mancher meinen könnte. Die Galerie Buchmann zeigt die malerischen Übersetzungen ihrer Architektur, bereits die dritte Schau Hadids. (Buchmann , Charlottenstr. 13, Tel. 2589 9929)

Der Amerikaner: US-Künstler und Kaiserring-Träger Robert Longo ist nicht zu verwechseln mit der Land-Art-Ikone Richard Long, dessen Feuerstein-Installationen bei Konrad Fischer zu besichtigen sind. So viel Longo gab's in Berlin noch nie: Er beflaggt die ganze Glasfassade von Captain Petzel in der Karl-Marx-Allee - die Fahne ist das vergrößerte Fragment einer Schwarzweißzeichnung. Das Original von drei Meter Größe wird im Galerieraum zu sehen sein. Drinnen der "american dream": ein Porträt von Barack Obama, coole Cowboys, Demonstranten einer Tea Party und eine "Peepshow amerikanischer Pornographie". Heute gibt's eine Signierstunde zu der im Mai bei Hatje Cantz erscheinenden Longo-Monographie. Der Meister ist da: 15 bis 17 Uhr. (Capitain Petzel, Karl-Marx-Allee 45, Tel. 2408 8130)

Die Meisterin der Farbe Wer Katharina Grosses Malerei kennt, weiß, dass sie nicht kleckst, sondern klotzt mit Farbe. Wahre Farbvulkane, die da vor den Augen des Besuchers explodieren. Bei Johann König zeigt die Künstlerin nun ausgreifende Raumbilder, die von Weitem aussehen, als hätte Caspar David Friedrich sein zerklüftetes "Eismeer" auf Speed im Farbrausch gemalt. (Johann König, Dessauerstraße 6-7. Tel. 2610 3080)

Der Turner-Preisträger Zum Pflichtprogramm gehört zweifellos der aktuelle Turner-Preisträger Martin Boyce aus Glasgow. Ein scheuer Künstler, aber die Publicity, die so ein prominenter Kunstpreis mit sich bringt, muss verdaut sein. "In Praise of Shadows" bespielt er die Räume der lichten Galerie von Jörg Johnen auf ganz wunderbare, leise Weise. Überall Lampions, in allen Farben. In der Mitte steht ein Tisch, die Lampen darauf sehen aus wie von innen seltsam gülden erleuchtete Wunderbäume. Als "Gegenspieler" zeigt Johnen in den unteren Räumen die filigranen Zeichnungen des Eigenbrötlers Stefan Bertalan. Ein Psychogramm. Dazu muss man wissen, dass sich Bertalan von der Securitate verfolgt fühlte - seine Blätter sind in gewisser Weise Zeichen der inneren Emigration. (Johnen Galerie, Marienstraße 10, Tel. 2758 3030)