Feierlichkeiten

Jüdisches Museum: Erst Kammermusik, dann die Feier

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Volker Blech

Daniel Barenboim erscheint normalerweise erst, wenn das Publikum auf seinen Plätzen sitzt und ihn erwartet.

Diesmal kommt der Stardirigent fünf Minuten vorher hereingeschlendert, schaut umher und setzt sich schließlich ins Publikum. Diesmal ist er nur der Gast seiner Ehefrau Elena Bashkirova, einer Pianistin, die im Jüdischen Museum ein neues Kammermusikfestival ins Leben gerufen hat. Später, in der Pause, sind Barenboim und seine Frau in einer Ecke des Raumes mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in ein Gespräch vertieft.

Es wird überhaupt viel geredet an diesem Festivalabend. Das ist Teil des Programms, die Bashkirova will erklärtermaßen ein Festival, das sich vom steifen Konzertbetrieb loslöst. Dazu gehört auch, dass sich die Besetzungen auf der Bühne nach jedem Stück verändern. Die Musiker gehen also auf und ab, wechseln miteinander die Plätze, manche setzen sich mit rotem Kopf zwischendurch ins Publikum, andere gehen wahrscheinlich eine rauchen. Es herrscht eine gelöste musikalische Stimmung im Saal.

In Jerusalem hat Elena Bashkirova vor anderthalb Jahrzehnten das Jerusalem International Chamber Music Festival gegründet. Dort finden sich alljährlich die weltbesten Interpreten erst zur Kammermusik zusammen und feiern anschließend. Das Modell wird jetzt bis Sonntag nach Berlin übertragen, ein erster Versuch, der bei Erfolg zur festen Institution werden soll. Glücklicherweise spielt der Glashof im Jüdischen Museum akustisch mit. Sicherlich sind Klavier und Streicherbesetzungen im Vorteil, bei den Bläsern kommt es zu leichten Verzerrungen.

Das Programm selbst erinnert an einen Doppelwhopper: Außen und in der Mitte Mozart, dazwischen einmal Schönberg sowie eine Uraufführung. Wobei dem israelischen Komponisten Matan Porat, Jahrgang 1982, schon der Schalk im Nacken sitzt. Sein "Requiem" erinnert eher an das Kinderspiel "Reise nach Jerusalem". Die fünf Musiker gehen immer wieder um den Flügel herum, bleiben plötzlich stehen und machen musikalischen Unfug nebst Pfeifen, Klopfen, Singen. Aber selbst der Mozart klingt hier nicht wie üblich, sondern viel gedehnter, im Detail ausgekosteter, manchmal überperfektioniert.

Daniel Barenboim wird definitiv am Sonnabend wieder in den Saal schlendern, sich dann aber auf der Bühne ans Klavier setzen. Das ist dann sein Festivalabend mit Bruch, Schubert, Schönberg.

Jüdisches Museum , Lindenstr. 9-14, Kreuzberg. Bis 29.4. Tel.25993488