Theater

Auch über Klischees kann man lachen

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Stefan Kirschner

"Der dressierte Mann" im Theater am Kurfürstendamm

Vielleicht hätte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ihr neues Buch im Theater am Kurfürstendamm vorstellen sollen: Sie wäre auf ein freundlicheres Umfeld gestoßen als bei der Präsentation in Prenzlauer Berg in der vergangenen Woche. Um Kinder, Karriere und Kochen geht es auch in der neuen Produktion der Boulevardbühne: Direktor Martin Woelffer hat "Der dressierte Mann" inszeniert. Die Komödie basiert auf dem vor 40 Jahren erschienenem Buch von Esther Vilar, die mit der These, dass Männer es lieben, versklavt zu werden, die Feminismus-Debatte seinerzeit anheizte. John von Düffel, Roman-Dramatisierer vom Dienst, hat diesmal eine Fassung erstellt, die kein Klischee auslässt. Regisseur Martin Woelffer inszeniert das allerdings punktgenau auf die Pointe. Dem Publikum hat es gefallen. Es spendete am Kudamm nach zwei kurzweiligen Stunden sehr lebhaften Beifall.

Natürlich auch wegen der Besetzung. Ursela Monn wird schon mit Applaus begrüßt, bevor sie überhaupt ein Wort gesagt hat. Und rechtfertigt die Vorschusslorbeeren: Federleicht gleitet sie als Konstanze Engelbrecht durch die Aufführung. Ihre Ehen dienen ihr dazu, den eigenen finanziellen und sozialen Status kontinuierlich zu erhöhen. Von Emanzipation hält sie nichts, deshalb ist sie von ihrer Tochter Helen enttäuscht und lässt sie das Hausfrauendasein üben: Susanna Simon pendelt zwischen taffer Geschäftsfrau und bezaubernder Jeannie. Ihre Helen hat so gar kein Händchen fürs Staubwischen, kann dafür aber - zum Leidwesen der Mutter - einen Job antreten, bei dem sie zehnmal so viel verdient wie ihr künftiger Mann. Und der selbst die Stelle haben wollte.

Bastian, der Gatte in spe, der in einer feministisch geprägten Frauen WG aufwuchs und niemals im Stehen pinkeln durfte, erfährt das ausgerechnet an dem Abend, an dem er bei einem Candlelight-Diner in der gemeinsamen Wohnung um Helens Hand anhalten will. Prompt verbrennt Bastian (Michael von Au) sich die Finger - und sitzt anschließend wie ein Osterhase mit bandagierten Pfoten am Esstisch. Maria Hartmann spielt die feministische Mutter namens Dr. Elisabeth Schröder-Röder. Sie korrigiert Konstanzes Ausspruch "O Gott" in "O Göttin" - beide werfen sich munter die verbalen Bälle zu. Und kriegen den Mann klein: Bastian übernimmt gern die ihm zugewiesene Rolle des kinderversorgenden Luxusmännchens.

Theater am Kurfürstendamm 206-209, Tel. 88 59 11 88. En suite bis 24. Juni.