Theater der Erfahrungen

Alltagsgeschichten, die das Leben der Senioren wiedergeben

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Wer sich im Alter körperlich und geistig fit hält, hat eine lange Lebenserwartung.

Diese Weisheit scheinen auch die Mitglieder des Theaters der Erfahrungen (eines der ältesten Seniorentheater Deutschlands) in Berlin verinnerlicht zu haben. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters spielen die Schauspieler (sie sind zwischen 60 und 90 Jahre alt) in vielen Stücken mit, zeigen ihr Können auf verschiedenen Bühnen in der Stadt und nehmen sogar an Tourneen im Ausland (Griechenland, Italien, Österreich, Türkei) teil. "Viele Theaterstücke gehen an den Problemen der älteren Menschen vorbei und haben mit großen Teilen der Bevölkerung nichts zu tun. Wir wollen brisante Alltagsgeschichten auf die Bühne bringen, die von Senioren gespielt werden", sagt Johanna Kaiser.

Gemeinsam mit Eva Bittner hat sie in den 80er-Jahren das Seniorentheater gegründet. Seitdem spielt das Theater in verschiedenen Seniorenfreizeiteinrichtungen, Kirchengemeinden und Nachbarschaftshäusern. Bisher wurden rund 40 Stücke aufgeführt. Die Palette der Themen reicht von kleinen Renten bis zum Leben in Altersheimen. Am 1. Juni initiiert das Theater der Erfahrungen zum fünften Mal den diesjährigen Senioren-Kulturtag und wird von Rap bis Graffiti sechs Workshops gestalten. Geprobt wird derzeit auch für das Musical "Altes Eisen", das vor zwei Jahren mit viel Erfolg uraufgeführt wurde und jetzt wieder aufgenommen werden soll. Rund 40 Schauspieler singen und tanzen in diesem Stück über das Alter und die Sehnsucht nach der großen Liebe. Am 12. Mai findet im Nachbarschaftsheim Schöneberg in der Friedenauer Holsteinischen Straße die Premiere des Stückes "Lachen und Sterben" statt. In dieser heiteren Vampiren-Geschichte wird das Thema "Ewiges Leben" thematisiert. "Der Tod ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu. Wir wollen zeigen, wie man seinen Lebensabend in Würde gestalten kann", sagt Eva Bittner.

Ein weiteres Stück, das wieder aufgenommen werden soll, heißt: "Berliner Pflanzen". In dieser Komödie in sieben Bildern geht es um die Bedeutung der nachbarschaftlichen Beziehungen. "Es macht Spaß, die Schauspiellust von älteren Menschen zu fördern und ein Theater zu gestalten, das mit Alltagsgeschichten zu tun hat und viele Menschen interessiert", meint Kaiser.

Es ist wichtig, dass ältere Menschen, die sich vom Arbeitsleben verabschiedet haben, ihre Zeit sinnvoll gestalten und sich neuen Herausforderungen stellen. Das hält fit, erhöht ihre Lebensqualität, schafft ihnen neue Perspektiven und erweitert ihren Horizont. Auch das Theaterspielen vermittelt Lebensfreude an Senioren und trainiert ihr Gedächtnis.

( bak )