Literatur

"Ich werde noch die 100 knacken"

| Lesedauer: 5 Minuten
Ayhan Bakirdögen

Mit einem Buch über das Älterwerden begeistert der Schauspieler Bill Mockridge sein Publikum

Es gibt viele Bücher über das Älterwerden. Manche behandeln das Thema sehr ernst und versuchen, wissenschaftliche Analysen zu vermitteln. Andere dagegen gehen mit dem Thema etwas locker und humorvoll um. Genau so ein Buch hat nun der kanadischstämmige Schauspieler (bekannt aus der ARD-Serie "Lindenstraße") und Schriftsteller Bill Mockridge veröffentlich: "Je oller, je doller - So vergreisen Sie richtig" (Scherz Verlag). Der 64-Jährige beschreibt in über 300 Seiten, wie er es selbst empfindet, nicht mehr zu den Jüngsten zu gehören, und vor allem, wie sein Umfeld darauf reagiert.

Lustige Anekdoten

Mockridge, der seit 44 Jahren in Deutschland lebt, erzählt humorvoll seine lustigen Anekdoten, die aber manchmal einem den Atem einhalten lassen und den Leser zum Nachdenken zwingen. Der in Toronto geborene Schauspieler und Regisseur kennt sein Thema sehr gut. Er wird zwar nicht gern älter, aber er weiß, dass man sich der Natur nicht ganz entgegen stellen kann.

Er macht regelmäßig Sport, versucht, körperlich und geistig fit zu bleiben, aber er nimmt es auch sehr gelassen hin, wenn die Gelenke nicht mehr so gut mitmachen und die Wehwehchen überall im Körper öfters vorkommen. "Ich werde noch die 100 knacken" ist seine Devise. Mockridge hat noch viel vor, er will nicht einfach so kampflos aufgeben und stellt sich den Herausforderungen des Lebens. Und er wundert sich oft, warum er in den letzten Jahren immer mehr Werbebriefe von Bestattungsunternehmen bekommt, von Frauen nicht mehr so wahrgenommen wird, wie in jüngeren Jahren, obwohl er sich innerlich "noch wie 40 fühlt".

Seine große Liebe gilt dabei stets seiner italienisch-tschechischstämmigen Frau und den sechs Söhnen, die sie erfolgreich und gut erzogen haben. Mockridge ist ein Familienmensch. Das merkt man an jeder Zeile, an jeder Formulierung. Er zelebriert seine Liebe zu seiner Familie sehr deutlich im Buch. Es gab ein paar Schlüsselereignisse, die Bill Mockridge dazu veranlasst haben, sich überhaupt mit dem Thema Älterwerden zu beschäftigen. Als er an seinem 50. Geburtstag ein T-Shirt mit der Aufschrift "50 Jahre - Gute Arbeit geleistet" trug, wurde er von einer jungen Frau angesprochen: "Herzlichen Glückwunsch zur Goldenen Hochzeit". Das war der erste Schock. Irgendwann sagte sein jüngster Sohn im Kino: "Papa, als Du jung warst, haben bestimmt noch die Dinosaurier gelebt, oder?"

Ein paar Wochen später begrüßte ihn in Toronto ein ehemaliger Klassenkamerad mit den Worten: "Ich kenne Sie von früher. Welches Fach hatten Sie eigentlich damals bei uns in der Schule unterrichtet?" Das war dann zuviel des Guten. Mockridge merkte, dass er älter wurde oder zumindest von seinem Umfeld so wahrgenommen wurde. "Entweder gebe ich mir die Kugel oder ich thematisiere das Älterwerden in meinem Beruf", dachte er und entschloss sich dafür, es künstlerisch zu bearbeiten.

So tourt der Gründer des Springmaus-Improvisationstheaters seit rund 20 Jahren mit seinen Soloprogrammen "Leise rieselt der Kalk", "Ihr Zipperlein kommet" und "Rostig, rostig, trallala" durch ganz Deutschland. Sein Manager hatte schließlich die Idee, ein Buch über das Thema Älterwerden zu schreiben. So entstand das neue Buchprojekt, das Mockridge in kurzer Zeit auf die Bestsellerliste katapultierte. Seitdem fährt er durch die ganze Republik und bringt die Leute mit seiner Lese-Show zum Lachen. "Männer meinen ohnehin, dass sie erwachsene Jungs geblieben sind. Ein Teil in uns wird nie reif. Viele bekommen diesen Altersprozess nicht mit und wundern sich dann, wenn der Körper nicht mehr mitmacht", erzählt Mockridge im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Als er anfing, seine Haare zu verlieren und gelegentlich auch falsch hörte oder sein Bauch immer größer wurde, merkte Mockridge, dass man jetzt etwas gegen die fortschreitende Lebensuhr etwas unternehmen muss.

Optimistische Einstellung

Im Sommer wird der sympathische Schauspieler 65 und schafft damit den Sprung von "Best-Agern" zu den "Rest-Agern". Mockridge weiß, dass viele Menschen das Thema viel zu ernst nehmen und das Älterwerden ihnen große Probleme bereitet, sie sogar Angst davor haben. Er dagegen will es sich nicht nehmen lassen, seine "Reise durch das Seniorenland" optimistisch und auch mit viel Humor zu gestalten". "Das Leben als alter Mensch ist eigentlich sehr gut. Wenn man darüber auch lachen kann, wird es noch besser", meint der Autor, der sich auch als "Ritter der Rentner" bezeichnet.

Für ihn ist das Älterwerden eine "neue Phase im Leben", worauf man sich allerdings auch gut vorbereiten sollte. "Viele Senioren sind starke Persönlichkeiten. Man muss sich um ihre Belange intensiver kümmern", sagt der Kabarettist.