Kino

Eine Filmdoku zeigt, wie man die Ressource Mensch optioniert

Am besten wird man "Work Hard, Play Hard", der heute ins Kino kommt, als Horrorfilm bezeichnen, obwohl sich Carmen Losmanns Film als Dokumentation begreift.

Er spielt in unserer zukünftigen Arbeitswelt, wie sie bereits im Entstehen begriffen ist. Insofern ist der Titel "Work Hard, Play Hard" irreführend, denn er konstruiert genau den Gegensatz zwischen Arbeit und Freizeit, den die schöne neue Arbeitswelt uns vergessen machen will: Dem idealen Mitarbeiter bedeutet der Beruf die reine Freude - deshalb kann er auch rund um die Uhr im Dienst sein. Die Rationalisierung wird aus den Arbeitsprozessen bald die letzten Reserven gequetscht haben, nun geht es darum, die Ressource Mensch zu optimieren: mit besserer Motivation zu noch mehr Leistung.

Carmen Losmann beschreibt, mit welchen Methoden das letzte Quäntchen Leistung aus uns gepresst werden soll. Ein Experte empfiehlt, den Arbeitsplatz wie einen Wohnraum zu gestalten, ein anderer beschreibt das Konzept der Leistungssteigerung durch Vereinzelung. Bei ihm heißt das indes "non-territorialer Arbeitsplatz", wobei man sich bei Arbeitsantritt einen Computer mit Tisch bucht, jeden Morgen einen anderen, so dass man nie neben dem gleichen Kollegen sitzt. Ein weiteres gruseliges Kapitel stellen die Verbrüderungsrituale dar, durch die der Mannschaftsgeist gestärkt werden soll: von Baum zu Baum hangeln und das gemeinsame unterirdische Kriechen. Die Regisseurin greift nicht ein, stellt keine Fragen. Sie zeigt nur die Indoktrinierungssituation, die oft daher rührt, dass ein Berater dem Arbeitgeber ein leistungssteigerndes Konzept verkauft hat und nun auf die zu Steigernden einredet. Die werden gnadenlos zugeschwallt, bevorzugt mit Brocken aus dem Englischen, einer Sprache, die zunehmend in Verruf gerät, weil sie uns immer stärker als Botenmedium von Ausbeutungskonzepten begegnet.

Durch "Work Hard, Play Hard" weht eine Eiseskälte. Mit vielen Worten erzählen die Firmenvertreter von der Hinwendung zum Menschen, und ohne jegliche Worte macht der Film klar, dass es sich in Wahrheit um eine Abwendung vom Menschlichen handelt. Er ist das nüchterne Protokoll einer heimlichen, unheimlichen Verformung, die uns angetan wird.