Ausstellungsraum

Kleiner Raum für große Namen

Wie der Schinkel-Pavillon in Mitte sich zum gefragten Ausstellungsraum entwickelt

Schon aus der Ferne sind die bunten Lichter zu sehen. Pink und gelb strahlen sie in die Berliner Nacht hinaus. Sie sollen in den Schinkel-Pavillon zur Ausstellung locken. Dort zeigen Anselm Reyle und Franz West eine Kollaboration. Reyle schickt West einen Eimer von Berlin nach Wien, in den der eine pinkfarbene Skulptur aus Styropor steckt. West schickt Reyle einen riesigen Haufen Pappmache, den Reyle in kühles Silber gießt. Die Gemeinschaftsarbeiten der Beiden sind bis zum 22. April im Pavillon zu sehen. Reyle und West sind große Namen für den überschaubaren achteckigen Raum in der Oberwallstraße. Sie gehören zu den doch sehr Künstlern, die im Pavillon ausstellten. Der hat sich zum gefragten Kunstraum in der Mitte Berlins gemausert.

Verantwortlich ist Nina Pohl. Die 44 Jahre alte Künstlerin betreibt den Pavillon seit vier Jahren. Jahrelang stand das 1969 von dem DDR-Architekten Richard Paulick erbaute Oktogon leer, bis sich Pohl zusammen mit Partner Stefan Landwehr dem denkmalgeschützten Raum im ersten Stock annahm. Seitdem Landwehr ausstieg, bespielt Pohl den Pavillon allein. Sie gründete einen Verein, der für Miete und Kosten für zwei Angestellte, Transporte und Versicherungen aufkommt. "Wenn erst mal alles angeschoben ist", sagt Pohl, "ist es gar nicht mehr so schwer." Gerne würde sie allerdings verstärkt auf Fördergelder und Spenden zurückgreifen.

Pohl ist Künstlerin, stellt ihre großformatigen Fotografien in der Galerie "Sprüth Magers" aus. Sie kennt die meisten der Kollegen persönlich, erspart sich damit förmliche Anfragen. Und die Liste der Künstler, die sie vorweisen kann, wird immer länger. Zum Gallery Weekend, Berlins wichtigstem Branchentreff für zeitgenössische Kunst am letzten Aprilwochenende, wird der Pavillon die Werke Cerith Wyn Evans beherbergen: Große, exotische Pflanzen, die auf Metallscheiben rotieren, dazu Einspielungen von Weltraumgeräuschen der NASA in Echtzeit. "Viele Künstler lieben den exzentrischen Raum, mit seinen Glasfassaden ist er perfekt, um Skulpturen auszustellen", sagt Pohl. Der Pavillon sei eben kein typischer White Cube, wo sonst auf sauberem Weiß Kunst gezeigt wird.

Der DDR-Bau bringt seine eigene Geschichte mit ein. Erich Honecker diente er als Repräsentationsraum für dekadente Cocktailpartys. Im Eingangsbereich hängen die Kacheln des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel zwischen den quietschbunten Bildern Wests und Reyles. Steht man unter der 60er-Jahre Pappdecke und blickt aus dem Fenster, tut sich vor einem das wiedervereinte Berlin auf, wie es nur an wenigen Orten der Stadt noch zu betrachten ist: Der Park des Kronprinzenpalais, der Dom, die Friedrichwerdersche Kirche, der Alexanderturm mit der Brache des Stadtschlosses.

Ost und West scheinen sich hier sanft die Hand zu reichen. Pohls Kunstraum werde langsam zum Selbstläufer, von Ausstellung zu Ausstellung kämen immer mehr Besucher. "Ausstellungen im Pavillon haben nicht die Steifheit eines Museums", sagt Pohl. Vielleicht ist es auch das, was die Kunstszene lockt. Bei der Vernissage für Reyle und West gab es statt Prosecco, Häppchen mit Salatgarnitur und verkrampften Gesprächen dann Bier, Würstchen und Punkmusik.