Theater

Kracht-Inszenierung: Eine Orgie der Dekadenz

Schon verwunderlich, dass einige Stühle leer bleiben in den Reihen der Volksbühne. Das Wiener Burgtheater ist zu Gast und spielt "1979", ein Werk von Christian Kracht.

Der Autor ist nach den irrsinnigen Nazi-Vorwürfen gegenüber seinem Roman "Imperium" in den Schlagzeilen wie den Bestsellerlisten. Also irgendwie ein Thema. Dachte man.

Ich-Erzähler (Lucas Gregorowicz) und sein Partner Christopher befinden sich im Jahr 1979 im Iran auf einer ausschweifenden Soiree wieder. Es wird getrunken, nackt im Haschwald des Gastgebers umhergetanzt, munter über Architektur parliert und die Gäste tragen gerne Yves-Saint-Laurent-Blazer mit einem roten Hakenkreuz-Shirt darunter. Kurzum, Kracht dachte sich die Überfantasie einer Dekadenz-Orgie überirdischer Dimension aus. Christopher lässt sich mit allen erdenklichen Substanzen zulaufen und stirbt. Oliver Masucci ist in der Rolle des Christopher mit aufgeklebten Bart, braunen Anzug und stets rauchend Archetyp des Dandys.

Die Inszenierung von Burgtheater-Direktor Matthias Hartman verknüpft Film und Theater und wirkt dabei nicht übertrieben technisiert. Mit zwei Kameras und zwei hintereinander angeordneten durchsichtigen Leinwänden können die sich überdeckende Szenerien vor und hinter die Akteure projiziert werden. "1979" erzählt wie jeder Kracht-Roman von einer Reise in die dunkelsten Tiefen des Menschen selbst. Hier endet sie in einem chinesischen Straflager, in dem die Insassen Maden fressen um zu überleben. "Ich war ein guter Gefangener", schließt der Ich-Erzähler, "ich habe nie Menschenfleisch gegessen".