Musik

Wie sich Laibach von der Protesttruppe zur Popband wandelt

Die slowenische Avantgarde-Formation Laibach hat seit ihrer Gründung Anfang der 80er-Jahre polarisiert. Das Musiker- und Künstlerkollektiv kultivierte die gezielte Provokation.

Schon der Bandname - die deutsche Bezeichnung der slowenischen Hauptstadt Ljubliana - sorgte in ihrer Heimat für Kontroversen. Die Musiker entwickelten eine mit faschistischen Symbolen überfrachtete Ästhetik, um totalitäre Tendenzen in Staat, Kirche und Kultur anzuprangern. Ihre Auftritte waren multimediale Kunstaktionen, die ihnen Auftrittsverbote einbrachten.

Von der Unberechenbarkeit der kontroversen Experimental-Band ist nach mehr als 30 Jahren Bandgeschichte wenig übrig. Auf ihrer Europa-Tournee "We Come In Peace" stellen sie im Heimathafen Neukölln die Filmmusik vor, die sie für die irrwitzige Nazi-Persiflage "Iron Sky" geschaffen haben. Die Bühne ist vollgestellt mit Keyboards und Laptops, in der Mitte ein wuchtiges Schlagzeug. Zwei Leinwände im Hintergrund schaffen die Illusion von Cinemascope. Der erste Teil des Abends ist frühen und neuen Stücken vorbehalten. Wabernde Klangteppiche, dissonante Spitzen, ungerade Takte, aufheulende Synthesizergeräusche werden klug arrangiert und bedrohlich aufgeschichtet.

Nach einer Pause widmen sich Laibach ihrem "Iron Sky"-Soundtrack: Eine Fassung von "The Final Countdown" hämmert ebenso durch den Saal wie das neu arrangierte Stück "B Machina" oder "America" vom Nationalhymnen-Album "Volk". Teil drei des Abends wird zu einer Art Hitrevue. Die Lautstärke ist mächtig angeschwollen, der Beat stampft im treibenden Techno-Trab voran und Sänger Milan Fras ruft mit typischem Gruftbariton zum "Tanz mit Laibach" auf, gefolgt von dem DAF-Cover "Alle gegen alle". Es gibt hämmernde Versionen von Serge Gainsbourgs "Love On The Beach", Grace Jones' "Warm Leatherette" oder Bob Dylans "Ballad Of A Thin Man". Es ist offensichtlich: Laibach sind in der Gegenwart angekommen. Sie spielen, was ihr Publikum hören will. Sie haben sich arrangiert mit einem Leben nach den Regeln des Popbetriebs. Sie liefern eine exzellente Show in bestem Licht und Sound. Sollte dies ein künstlerisch-kritisches Statement gewesen sein, hat es keiner bemerkt.