Die besseren Wälder

Der Wolf trägt Schafspelz, weil er gern ein Schaf wäre

"Die besseren Wälder" - eine kluge Tier-Parabel am Grips

Melanie kommt bei dem Ausflug ums Leben und Ferdinand kehrt dahin zurück, wo er glaubt, zu Hause zu sein, aber doch nur verstoßen wird.

In Martin Baltscheits Stück "Die besseren Wälder", das im Grips Theater uraufgeführt wurde, ist "Mäh"-lanie ein Schaf und Ferdinand ein Wolf, der glaubt, ein Schaf zu sein und an der Suche nach seiner wahren Identität und Heimat verzweifelt. 2010 gab es für das Stück den Deutschen Jugendtheaterpreis. Grips-Schauspieler Robert Neumann inszeniert das fast vergessene Genre einer Tier-Parabel für Zuschauer ab 12 Jahren. Und es gelingt, was meistens missglückt: Sowohl Erwachsene als auch Jugendliche anzusprechen und beispielsweise mit einem rührend gesungenen "Schafe Maria" zum Lachen zu bringen.

Menschen, die Tiere spielen wirken schnell albern. Nicht so bei Neumann. Die Tiere werden in den Kostümen nur angedeutet, Schafe tragen Wollpullis oder weiße Mützen, die Wölfe schwarze Lederjacken. Seine fünf Schauspieler wechseln geschickt die Rollen und wenn sie gerade nicht spielen, sitzen sie neben der Bühne und schauen zu. Hier bleibt nichts verborgen, es ist ein reines Stück, klar und klug erzählt, das sich sanft und mit viel Humor Themen wie Zuwanderung, Integration und Ausländerfeindlichkeit nähert.

Ferdinand trifft schließlich auf andere Außenseiter, die ihre Identität leugnen: Einen Bär, der gerne eine Biene wäre und eine Gans, die glaubt, sie sei ein Fuchs. "Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst. Es kommt darauf an, wo du hingehst und mit wem", sagen sie dem Wolf im Schafspelz.

"Die besseren Wälder" erzählt eine wahre Geschichte, wie sie überall auf der Welt spielen könnte: An den Küsten Spaniens und Italiens, wo die Schiffe mit Flüchtlingen aus Nordafrika stranden, in den Gated Communities in Amerika oder im Nahen Osten, wo Mauern Menschen voneinander trennen, die Angst vor Andersartigkeit haben. Und eben auch mitten in Berlin, wo Parallelgesellschaften so eingefahren sind, dass sie schon fast traditionell wirken.

Grips Theater, Spielstätte Klosterstraße, Mitte. Tel. 397474-77 oder 397474-0 (Vormittagsvorstellungen). Termine: 24.4. (18 Uhr), 25.4. (11 Uhr); 12.5. (19.30 Uhr), 14./15.5. (11 Uhr), 19.5. (19.30 Uhr)