Turangalila-Symphonie

Immer wieder flüchten Leute vor Messiaens Musik

Die Turangalila-Symphonie in der Philharmonie

Die Junge Deutsche Philharmonie, das hochkarätige Studentenorchester aus Frankfurt am Main, spielte mit außerordentlicher Genauigkeit, Sorgfalt und Temperament, Kristjan Järvi, künftiger Chef des MDR Sinfonieorchesters, tanzte ihm am Dirigentenpult mit Verve und liebevoller Aufmerksamkeit bravourös voran. Jede Note stand gewissermaßen unter seiner verständigen Kontrolle. Das zahlte sich in doppelter und dreifacher Schlagkraft aus. Messiaens Wunderwerk, 1946 bis 1948 für das Boston Symphony Orchestra komponiert, ist ein einzigartig hingebungsvoller Liebesgesang, vollmundig ausgeatmet, durchpulst von Begehr wie von Todesahnung. Leben, Lieben und Sterben werden musikalisch eng miteinander verflochten. Es wird kompositorisch verdammt und verflucht, beseligt und vergöttert - und dies alles immer zugleich. Einzig im 6. Satz kehrt endlich zeitweilig beseligende Ruhe ein. Messiaen lädt seine bis dahin immerfort aufgescheuchten Zuhörer zu einem erholsamen Nickerchen in den kompositorisch wundervoll ausgeleuchteten Liebesgarten. Danach ist dann wieder kein Halten mehr. Die Sinfonie braust dem Glück oder dem Tod wieder mit all ihren hoch entwickelten Muskeln entgegen. Eine vergleichbar leidenschaftliche und leidensselige Musik gab es bis dahin noch nie.

Man hat auch versucht, die Sinfonie in ein Klavierkonzert umzutiteln. Denn tatsächlich das Klavier spielt unüberhörbar eine Hauptrolle in Messiaens Vorstellung. Die wahrhaft genialische Tamara Stefanovich schlug ihren herausfordernden Part mit unglaublicher Vehemenz in die Tasten und degradierte mit ihrem unerbittlichen Gestaltungselan den gleichfalls mitwirkenden Franzosen Thomas Bloch an seinen elektronisch aufjaulenden Ondes Martenot - dahinter verbirgt sich ein Ende der Zwanzigerjahre vorgestelltes monophones Musikinstrument ähnlich dem Theremin, beides Vorfahren der heutigen Synthesizer - geradezu zum musikalischen Kammerdiener.