Karl May

Der Apachenhäuptling und seine Gefährten

Winnetou Der Häuptling der Apachen ist bis heute der deutsche Indianer schlechthin. Inzwischen hat er auch Eingang in den Duden und das Reich der Briefmarkenkunde gefunden. Erkennungsmerkmale sind das "blauschimmernde schwarze Haar", das "fast römische Gesichtzüge" (!) umweht, die Silberbüchse und der Rappe Iltschi.

Dessen Bruder Hatatitla schenkt er Old Shatterhand. Mit historischen Apachen wie dem legendären Geronimo hat das alles natürlich wenig zu tun. Karl May schuf die literarische Figur als Symbol für Edelmut und Tragik der "Roten Rasse". Generationen von Lesern vergossen Tränen bei seinem Tod. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität verschickte Karl May Pferdehaare als angebliche Locke Winnetous.

Old Shatterhand Winnetous Blutbruder ist der berühmteste aller Westmänner. Das Alter Ego Karl Mays sorgt als Superheld zwischen Prärie und Felsengebirge für Recht und Ordnung. In "Winnetou I" entwickelt er sich in Windeseile vom Greenhorn zum unschlagbaren Helden.

Seine Waffen, den "Henrystutzen" und den "Bärentöter", kann man heute neben Winnetous "Silberbüchse" im Karl-May-Museum Radebeul bestaunen. Der Autor ließ "Bärentöter" und "Silberbüchse" unter Geheimhaltungsklausel von einem Dresdner Büchsenmacher herstellen. Später kaufte er noch eine Winchester, die er als Henrystutzen anpries. Als früher Pop-Star ließ sich May auf Autogrammfotos als "Old Shatterhand" ablichten.

Hadschi Halef Omar Sein vollständiger Name ist natürlich Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah. Jahrzehntelang war es unter Pennälern Ehrensache, den kompletten Namen zu jeder Tages- und Nachtzeit fehlerlos und wie aus der Silberbüchse geschossen repetieren zu können. Ob seiner menschlichen Fehler und Schwächen ist Hadschi Halef Omar einer der liebenswertesten Charaktere im Karl-May-Universum. Kara Ben Nemsi ist Karl May, wie er gern wäre, Hadschi Halef ist der Karl May der Realität. Die Figur war ihrem Schöpfer so lieb geworden, dass er es - im Unterschied zu Winnetou - nicht übers Herz brachte, sie sterben zu lassen. Winnetou dagegen fand im dritten Band gegen die Railtroublers den Tod.

Sam Hawkens Der Nachkomme einer deutschen Familie namens Falke, ist der erste Mentor Shatterhands im Wilden Westen. Sein altes Gewehr "Liddy" und sein Maultier "Mary" prägen sich dem Leser ein. Das von Gekicher abgerundete "Wenn ich mich nicht irre" am Ende seiner Sätze bleiben vielen in Erinnerung.

Als Lehrer des jungen Old Shatterhand, mit seiner merkwürdigen Statur und der gewöhnungsbedürftigen Ausdrucksweise, erinnert er an Figuren aus einem ganz anderen Mythenkosmos: Obi Wan Kenobi und Meister Yoda aus "Star Wars". Der humorvoll-kauzige Sam ist einer der Charaktere Mays, mit denen der Autor zeigt, dass ein zunächst irritierendes Äußeres noch nichts über den Wert eines Menschen aussagt.

Kara Ben Nemsi Der deutsche Abenteurer, ist Mays Alter Ego für die Abenteuer im Nahen Osten. Daran lässt der - wie die "Winnetou"-Trilogie in der Ich-Form verfasste - sechsbändige Orient-Zyklus keinerlei Zweifel. Auf seinem Ritt durchs Osmanische Reich vom Maghreb bis in den Balkan in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rechnet er immer wieder mit korrupten Richtern und Polizisten ab.

In der Rolle des omnipotenten Supermans rächt sich der Ex-Häftling May in der Fantasie nun an der sächsischen Justiz, die ihn fast acht Jahre hinter Gitter brachte. Ihm zur Seite stehen neben Hadschi Half mehrere Unterhelden, die sich ihm auf der Reise wie im Märchen "Sechse kommen durch die Welt" anschließen.