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Berliner Buchhändler empfehlen

Elvira Hanemann (53), Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, Friedenau: Das Buch, das mich in den letzten Jahren am meisten beeindruckt hat, ist eindeutig György Dragománs Roman "Der weiße König". 1973 in Rumänien geboren, gehörte die Familie des Schriftstellers zur ungarischen Minderheit. Dragomán hat das totalitäre Ceaucescu-Regime miterlebt, das auch Thema seines Romans ist. Der elfjährige Dszátá wird Zeuge, wie Geheimdienstler seinen oppositionellen Vater in einem Lager inhaftieren. Der Junge leidet darunter, wird in der Schule deshalb übel drangsaliert, verschweigt es aber, weil seine Mutter, eine geächtete Jüdin, verzweifelt ist. Eine Kindheit in einer aussichtslosen Welt. Beim Lesen wird einem klar, was Diktatur bedeutet: Man bekommt keine Luft mehr zum Atmen. Die beständige Atmosphäre der Angst ist nichts für Zartbesaitete. Ein fulminantes, sprachlich großartiges Buch. Für mich Nobelpreis-Liga.

György Dragomn: Der weiße König, Suhrkamp Verlag, 300 Seiten, 9,99 Euro.