The BossHoss

Stimmung wie auf dem Ballermann

Sie sind musikverliebte Spree-Outlaws, die ihre Passion zu einer von Druck und Spielfreude getriebenen Bühnenshow inszenieren. Sie haben rund 60 Jahre Rockmusikgeschichte mit all ihren legendären Beats und Shouts und Riffs in sich aufgesogen.

Und seit Alec Völkel und Sascha Vollmer, die Anführer der Berliner Country-Rock-'n'-Roller The BossHoss, sich auch noch einen Jurystuhl beim TV-Talentschuppen "The Voice of Germany" teilten, scheinen sie freie Fahrt auf dem Highway des Erfolgs zu haben.

Ihre Popularität ist enorm. Die Tournee ist komplett ausverkauft. Auch für das Konzert am Sonnabend in der Max-Schmeling-Halle gab es schon lang im Voraus keine Karten mehr. Die 9000 Besucher sind zum Feiern entschlossen. Schon das brachiale Powertrio Triggerfinger aus Antwerpen mit seinem Kraftrock wird lautstark bejubelt. Fast hätten sie noch eine Zugabe geben müssen. Aber es gibt schließlich einen Zeitplan. Als kurz nach 21 Uhr das Saallicht wieder erlischt, tönt "The Real Boss Hoss" aus den Lautsprechern, jener Song der US-Band The Sonics, der The BossHoss ihren Namen gab. Mit der Eigenkomposition "Last Day (Do Or Die)" entern die sieben BossHoss-Musiker und drei Bläser in Mariachi-Kostümen die spartanische Bühne. Schnell wird klar: Was hier zählt, ist einzig die Musik. Keine Videowände, keine Pyrotechnik, kein Bühnennebel - die Band ist die Show. Vorn an der Rampe auf Barhockern sitzen Sänger "Boss" Alec und Sänger und Gitarrist "Hoss" Sascha. Und leben den Mythos, den sie selbst für sich erfunden haben, werden zu Cowboy-Kumpels, die auf einer Farm in Texas den Rock'n'Roll erkunden und hemmungslos ausleben.

Die Masche funktioniert. Hatten sie 2005 auf ihrem Debüt "Internashville Urban Hymns" noch ausnahmslos Fremdhits wie "Toxic" von Britney Spears oder "Seven Nation Army" von den White Stripes zu Country-Rock-Hymnen arrangiert, begannen sie schon bald, eigene Songs zu schreiben. Die quellen über vor all ihren musikalischen Vorlieben, von Rockabilly über Rock'n'Roll bis zu Calypso und HipHop. Entsprechend stilvielfältig ist dieser Abend, an dem Country vor allem für die Optik und die Sehnsucht nach Cowboy-, Trucker- und Bikerromantik steht.

Da gibt es mit "Still Crazy About Elvis" eine wunderschöne Hommage an den King (mit "Jailhouse Rock"-Zitat). Der neue Song "Don't Gimme That" kommt als wuchtiger Funkrock daher und bei "Sabotage" von den Beastie Boys werden kollektiv HipHop-Moves zelebriert. Zweieinhalb Stunden lang arbeiten sich die Musiker ab. Und da sie nicht nur bei "Voice of Germany" dabei waren, sondern mit Ivy Quainoo auch die Gewinnerin in ihrer Finale-Gruppe hatten, ist klar, wer der Überraschungsgast dieses Konzerts wird. Dionne Warwicks "I Say A Little Prayer" singen The BossHoss mit der charmanten Sängerin im Duett. Da ist in der Halle schon längst kein Halten mehr.

Und das, obwohl der Sound ziemlich muffig und unausgegoren durch die Sporthalle wabert. Und man den bodenständigen Club-Rock-'n'-Roll auch lieber etwas hautnah in einem Club erleben würde. Nur - da passen nun mal keine 9000 Menschen hinein. Und die zumindest hat The BossHoss fest im Griff. Auf Kommando wird mitgesungen, wird "Bo Diddley" skandiert, wird kollektiv auf Kommando in wildem Pogo gehüpft. Als es aufs Finale zugeht, werden bei "Yee Haw" auch noch etliche junge Frauen auf die Bühne geholt, um mit der Band zu tanzen. Der Gedanke, hier auf einer Mallorca-Ballermann-Party zu sein, kommt aber nur für einen ganz flüchtigen Moment auf. Denn was The BossHoss, die Band mit dem großen Herz für Coverversionen, geleistet hat, ist schon bewundernswert.