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Berliner Buchhändler empfehlen

Herwart Ferlemann, Buchhandlung Ferlemann und Schatzer, Güntzelstr. 45, Wilmersdorf: Der Berliner Schriftsteller und Journalist Arthur Eloesser, 1870 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, war in der Weimarer Republik so bekannt wie Alfred Kerr. Er wäre fast ganz in Vergessenheit geraten, doch dank des engagierten Antiquars Horst Hans Olbrich trägt nicht nur ein kleiner Charlottenburger Park seinen Namen: Olbrich hat auch eine Sammlung von Eloessers "Berliner Feuilletons 1920 bis 1922" herausgegeben, allesamt wunderbare Beobachtungen des Berliner Alltags. Das Spektrum ist dabei breit gefächert und reicht vom Theaterskandal über Flohmärkte bis zu einem Vortrag von Albert Einstein, zeigt aber auch, dass Antisemitismus und Rassismus damals schon in der Stadt brodelten. Ein hellsichtiges Buch, das heute noch aktuell wirkt, geschrieben in einer schönen, leichten Sprache und mit einem genauen Blick auf Berlin.

Arthur Eloesser: Wiedereröffnung. Berliner Feuilletons 1920 bis 1922, Verlag H. Olbrich, 119 Seiten, 16, 80 Euro.