Urheberrecht

Schluss mit der Kostenlos-Kultur

Eigentlich wollte Erich Renz, Moderator des BR2-Hörfunkmagazins "Zündfunk", von Sven Regner nur ein kurzes Statement zum Thema Urheberrecht haben. Aber dann ließ der prominente Telefonpartner seinen Frust ab - und redete sich fünf Minuten und fünf Sekunden lang regelrecht in Rage.

Regener, Sänger und Gitarrist der Gruppe Element of Crime und Bestsellerautor ("Herr Lehmann") wettert gegen die Kostenlos-Kultur. Er mag es nicht länger hinnehmen, wie man hierzulande mit Künstlern und ihren Werken umgeht: Ihm steht es "wirklich bis hier".

Dabei greift der Berliner zu drastischen Worten. "Es wird so getan, als ob wir Kunst machen als Hobby. Das Rumgetrampel darauf, das wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grunde nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt." Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgehe, sei nichts wert. Seiner Branche malt Regener eine düstere Zukunft. "Zu glauben, man könne auf Plattenfirmen verzichten und trotzdem würde man noch dieselbe Musiklandschaft vorfinden, wie wir sie jetzt haben, das ist ein großer Irrtum." Die kleinen Platten-Labels seien schon alle tot.

Besonders kritisiert Regener dabei das Internetportal Youtube: "Youtube gehört Google. Das ist ein milliardenschwerer Konzern, die aber nicht bereit sind, pro Klick zu bezahlen." Google und Youtube hätten nichs zu bieten, außer das, was andere Leute geschaffen haben. Da würden Milliardengeschäfte gemacht, aber die Urheber bekämen nichts davon ab: "Wir sind die Penner in der letzten Reihe." Ein Geschäftsmodell aber, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, das, so Regener noch einmal deftig, "ist Scheiße".

Das Telefongespräch, das am Mittwoch im Bayrischen Rundfunk gesendet wurde, ist inzwischen ein Netzwerkphänomen und vielerorts - auch bei Youtube selbst, unter "Sven Regeners Wut-Rede" - abspielbar. Filmemacher Hans-Christoph Blumenberg ("Kanzleramt") pflichtet ihm bei: "Wir müssen uns dagegen wehren, dass der Diebstahl geistigen Eigentums inzwischen nicht nur fast überall gefordert und gefördert wird, sondern allmählich sogar als 'cool' gilt." Wenn niemand den Mund aufmache, sei es bald zu spät: "Deshalb sollte man zu diesem Thema den großen Sven Regener hören. Und seine Worte massenhaft weiterverbreiten." Das ist, auch ohne dessen Schützenhilfe, längst geschehen. Regeners Rage-Rede wird in den sozialen Netzwerken tausendfach aufgerufen, gepostet, kommentiert und verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Dabei bekommt Regener nicht nur Zuspruch, er wird auch scharf kritisiert: von der Piraten-Partei.

Musiker sollten das Internet als Chance begreifen, sagte der Berliner Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer ebenfalls auf Bayern 2: "Als das Internet aufkam, hätten die Plattenfirmen selbst ähnliche Plattformen wie Youtube aufziehen können", das hätten sie aber nicht getan. Fritz Effenberger, ebenfalls in der Piratenpartei aktiv, machte im Internet auf seinem Blog Front gegen Regener: "Nur weil jemand Kunst macht, hat er kein Recht auf Geld dafür." Als Schriftsteller oder Musiker bekomme Regener nicht mehr als fünf Prozent vom Endverkaufpreis. Mit Werbung auf YouTube oder einem Deal mit Amazon lasse sich mehr Geld verdienen.

Die Piraten müssen wohl Kontra geben, hat Regener sie doch selbst angegriffen. Erst deutete er ganz allgemein an, junge Menschen sollten sich sehr genau überlegen, "ob sie sich zum Lobbyisten von so einem milliardenschweren Konzern wie Google machen wollen". Dann wurde er aber auch ganz persönlich: "Der örtliche Chef hier von der Piratenpartei, der hat eine Firma, die machen Apps für I-Phone. Das ist ein geschlossenes System, 100 Prozent Copyright mit Anwälten und allem Drum und Dran." Solche Typen sprächen dann von der Freiheit im Internet. Eine solche Verlogenheit findet Regener "höchstgradig unangenehm"

Der Streit ums Urheberrecht - der bislang vor allem von Filmverleihern geführt wurde, aber weithin noch immer als Kavaliersdelikt abgetan wird - kommt, Regener sei Dank, nun in eine neue und endlich auch erhitzte Runde. Das "Instant-Pamphlet", wie es der Bayerische Rundfunk nennt, wird wohl auch in den nächsten Tagen weiter für Zündstoff sorgen. Man darf nur hoffen, dass dabei wirklich auch um das Urheberrecht gestritten wird - und das Ganze nicht zu einer Debatte über die Piratenpartei degeneriert.