Fernsehen

Kommt für Thomas Gottschalk der Erfolg zu spät?

Wunder sind auch im Fernsehen eher selten. Doch am frühen Montagabend wurden die Zuschauer des Ersten Zeugen eines Mirakels - zumindest eines kleinen. Der Vorabend-Talk "Gottschalk live!" schien sich über Nacht in eine andere Sendung verwandelt zu haben. Thomas Gottschalk hatte sich bestens auf seine Gäste Jan Hofer und Oliver Pocher vorbereitet.

Die Show, die nun mit Publikum und in neuer Kulisse daher kam, hatte erstmals so etwas wie eine Struktur, auch der Marktanteil verbesserte sich mit 5,2 Prozent.

Aber dieses Wunder, das von reichlich Kritikerlob - "Besser denn je" ("FAZ"), "Die größte Überraschung ist der Moderator" ("Welt") - begleitet wurde, dürfte wohl kaum reichen, um die Sendung zu retten: Wenige Stunden bevor Gottschalk vor die Kameras trat, schalteten sich die ARD-Intendanten zu einer Konferenz zusammen und sprachen über den Problem-Talk des blondgelockten Moderators. Dabei, so heißt es in ARD-Kreisen, habe sich eine deutliche Mehrheit der Senderchefs dafür ausgesprochen, im Fall von "Gottschalk live!" von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen.

Dieses Sonderkündigungsrecht besagt, dass die ARD sich von der Produktion von "Gottschalk live!" mit Beginn der Sommerpause im Juni zurückziehen kann, wenn die Show bis zum Stichtag 20. April nicht auf einen durchschnittlichen Marktanteil von zehn Prozent kommt. Dieser Wert bezieht sich auf alle bis zu diesem Zeitpunkt ausgestrahlten Sendungen. Da "Gottschalk live!" bisher aber in der Regel nur einen Marktanteil von drei bis fünf Prozent erzielt, müssten die Ausgaben des Talks, die bis zum 20. April gezeigt werden schon auf Werte von etwa 20 Prozent kommen, soll das Format noch eine Zukunft haben. Das aber ist völlig unrealistisch.

Bei dem Votum der Intendanten handelt es sich um ein Stimmungsbild und nicht um einen formellen Beschluss. Die Produktionsfirma von "Gottschalk live!" Grundy Light Entertainment wurde über das Ergebnis der Schaltkonferenz offenbar nicht informiert. Zudem legt eine ARD-Sprecherin wert auf die Feststellung, dass es eine offizielle Entscheidung zum Thema Vorabend-Talk nicht gebe. Die Intendanten hätten gar bekräftigt, "der Weiterentwicklung des Formats eine Chance zu geben".

Dieser Bewertung des Diskussionsergebnisses widersprechen Teilnehmer der Schaltkonferenz entschieden. Die Mehrheit der Intendanten, die sich für einen vorzeitigen Ausstieg aus "Gottschalk live!" ausgesprochen hätten, sei überwältigend gewesen, heißt es. Außer WDR-Intendantin Monika Piel habe sich eigentlich niemand vorbehaltlos vor die Sendung gestellt. Piel, die auch ARD-Vorsitzende ist, habe sich allerdings leidenschaftlich für die Fortsetzung von "Gottschalk live!" eingesetzt.

Neben den miserablen Quoten sollen die Befürworter eines raschen Ausstiegs auf die unzureichende Qualität der Sendung verwiesen haben. In der Diskussion der Intendanten spielte zudem die "Tagesschau" eine Rolle. Deren Quoten hätten sich aufgrund der schwachen Vorgaben von "Gottschalk live!" verschlechtert. Es sei für die ARD aber nicht hinzunehmen, dass ihr Flaggschiff von den schlechten Marktanteilen des Vorabend-Talks in Mitleidenschaft gezogen wird.

Doch das Echo auf die erste Sendung mit neuem Konzept hat Gottschalks Mannschaft Hoffnung gemacht. Auch die Show am Dienstag war zumindest ein kleiner Erfolg. Der Marktanteil lag zwar nur bei 4,6 Prozent. Dennoch war es der stärkste Dienstag von "Gottschalk live!" seit langem. Es sei unverständlich, zu einem Zeitpunkt von der Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen, da die Bemühungen des neuen Redaktionsleiters Markus Peichl erste Früchte tragen würden.