Konzert

Marek Janowski leitet Blechbläser-Angriff in der Philharmonie

Es begann wie mit einem musikalischen "Schlummerstündchen". Marek Janowski eröffnete sein Konzert mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in der Philharmonie mit Anton Weberns kühn dahinwispernden "Sechs Stücken" (in der Fassung von 1928).

Danach wurde das Gewisper irrigerweise an Michelle Breedt weitergereicht, die sich an die fünf von Richard Wagner vertonten Gedichte der geliebten Mathilde Wesendonck machte. Als Liedersängerin nicht von gleicher Durchschlagskraft wie auf der Bühne in den glorreichen Alt- und Mezzopartien, sang sie Wagners Zärtlichkeiten eher in sich hinein, als aus sich heraus und brachte die in ihnen aufleuchtende Liebesflamme immer wieder nahezu zum Erlöschen. Man wandelte beinahe schlaftrunken in die Pause.

Danach hatte Janowski im krassen Gegensatz zu den beiden Einleitungsnummern die rund einstündige 3. Sinfonie Anton Bruckners aufs Programm gesetzt, dieses Frühwerk eines Wagner-Hymnus, an dem Bruckner in der Folge zeitlebens herumkorrigierte, es eigenständiger, gleichzeitig eingängiger zu machen, es außerdem zu befreien vom Ruch der Zitier-Manie zu Gunsten des Bayreuther Meisters. Janowski ließ nicht die letzte Fassung Oesers von 1950 spielen, sondern Nowaks Rückgriff auf eine frühere Version Bruckners und kartätschte sie mit aller Gewalt und interpretatorischer Leidenschaft in den Saal. Man bekam durchaus ein Gefühl dafür, wie die alten Wiener sich unter diesem musikalischen Generalangriff weggeduckt haben müssen.

Janowski konnte sich bei seiner geradezu denkwürdigen Interpretation auf die Meisterschaft seines Orchesters stützen, das ihm wundersam kontrolliert zur Hand ging. Es dichtete an dieser Aufführung geradezu mit, nahm sich jeden dirigentischen Hinweis zu Herzen, blies sich in den radikalen Blechbläser-Einsätzen schier die Backen wund, steigerte sich beinahe an die Grenzen der Ohnmacht im Finale. Eine Meisterleistung der musikalischen Zusammenarbeit zwischen Chefdirigent und Orchester.