Bauchrednerei

Er lästert über sich selbst

"Ich bin 38 und spiele noch mit Puppen! Aber wenn euch das gefällt, dann mach' ich einfach weiter", sagt Sascha Grammel vorne auf der Bühne im Tempodrom zu den Zuschauer. Der Spandauer macht "Puppet Comedy", eine Mischung aus Bauchreden und Stand-up-Comedy.

Er leiht den Figuren Prof. Dr. Peter Hacke, einem Hamburger mit Brötchenkopf, dem Adler-Fasan Frederic Freiherr von Furchensumpf und der Schildkröte Josie seine Stimme.

Dass Bauchreden ein angestaubtes Image hat, räumt Grammel ein, aber als 20-Jähriger hat ihn der Wille gepackt, diese Kunstform zu erlernen. Er entdeckte ein Buch, das ihm die ersten Schritte erklärte. Ein Jahr hat er gebraucht, bis er sprechen konnte, ohne seine Lippen zu bewegen. 2009 geschieht das "Wunder", wie er selber sagt. Universal Music bietet ihm einen Vertrag an, seine Show "Hetz mich nicht" im Quatsch Comedy Club auf DVD aufzuzeichnen und diese zu vermarkten. Mit inzwischen mehr als 100.000 verkauften Exemplaren hat Grammel schon Doppelplatin bekommen. Als RTL diese Show ausstrahlte, schauten mehr als fünf Millionen Zuschauer zu.

Seinen ersten bezahlten Auftritt hatte er als Siebtklässer. Auf einem Kindergeburtstag war er als Zauberer aufgetreten und bekam dafür 17,77 Mark, "ich fand die Summe lustig." Mit 18 Jahren gründete er mit zwei Freunden das Zauberer-Trio "Die Zauderer". 2000 und 2006 belegten sie bei den Weltmeisterschaften der Zauberkunst jeweils den zweiten Platz. Er hat eine Ausbildung zum Zahntechniker abgeschlossen, arbeitete aber nur eineinhalb Jahre in dem Beruf. "Ich war einfach nicht gut." Viel besser ist er als "Puppet Comedian", im vergangenen Jahr erhielt er den Deutschen Comedypreis als bester Newcomer. Seine Texte schreibt er am liebsten selbst, weil sie dann besser zu ihm passen, sagt er. Neulich wurde ihm ein Witz über Lothar Matthäus angeboten. "Der war der Knaller, aber ich habe den nicht ins Programm genommen, weil Matthäus mir nichts getan hat." Einige Kollegen würden schon über andere herziehen, das müsse er dann nicht auch noch machen.

In seiner Show bekommt schließlich auch Grammel sein Fett weg. Der schielende Adler-Fasan Frederic ist gemein, wenn er zu ihm "du bist ja noch nicht mal mit Puppe lustig" sagt. Sobald er seinen rechten Arm in die Puppen steckt und er ihnen seine Stimme gibt, wirken sie tatsächlich lebendig. Die Modelle sind Unikate, kosten mindestens 5000 Euro und mit den früheren Holzpuppen überhaupt nicht zu vergleichen. Sie bestehen aus Latexschaum und Fiberglas. Im Inneren der Puppe ist eine Mechanik mit mehreren Hebeln versteckt, die die Augen der Figur bewegen kann. Vor seinem Durchbruch ist er unter anderem in der Kinderkrebsstation des Virchow-Klinikums aufgetreten. "Ich konnte das nicht noch mal. Mir ging das unglaublich nah. Weil er aber auch nicht kneifen wollte, tritt er seit 2007 einmal im Monat, das nächste Mal morgen, im Kulturhaus Spandau mit der Benefizshow "Lachen tut Gutes" auf. Mit den Einnahmen unterstützt er Krankenhaus-Clowns.