Kasabian

Ein kräftiger Tritt in den Hintern

Wo sind sie eigentlich hin, die britischen Rockbands, die mit dem Selbstbewusstsein von Weltverbesserern ausgestattet sind? Oasis haben sich aufgelöst. Die Brüder Gallagher fangen mit ihren Bands Beady Eye und High Flying Birds noch mal von vorne an.

Franz Ferdinand, Kaiser Chiefs und Arctic Monkeys konnten nach anfänglicher Euphorie nicht recht nachlegen. Bleiben noch Kasabian, die 2004 mit ihrem Debütalbum und markigen Sprüchen auffielen. "Im Rock ist alles so langweilig geworden. Man muss den Hörern einen kräftigen Tritt in den Hintern verpassen und sie wieder begeistern. Das ist unsere Aufgabe", sagte Sänger Tom Meighan in seiner Antrittserklärung.

Benannt hat sich die Band aus Leicester ausgerechnet nach Linda Kasabian, die Fluchtfahrerin des Clans von Massenmörder Charles Manson. Spricht man Meighan darauf an, ist ihm das unangenehm: "Es ist ein Wort, das sich phonetisch gut anhört. Immerhin fallen wir mit dem Namen nicht so mit der Tür ins Haus wie Marilyn Manson." Bekannt sind Kasabian auch für ihr burschikos wirkendes Auftreten, das sie zu Vorbildern der britischen lads gemacht hat. Lads sind junge Männer mit Manieren von Halbstarken. Sie pöbeln gern und sind oft in Schlägereien verwickelt. So ein Wilden-Image ist immer gut.

Aber Kasabian sind längst nicht mehr darauf angewiesen, weil sie musikalisch immer besser werden. Der entscheidende Kick kam mit dem Ausstieg von Chris Karloff 2006. In der Band gab es Meinungsverschiedenheiten über die Frage, in welche Richtung man gehen sollte. Nach Karloffs Abgang übernahm Serge Pizzorno das Kommando. Der konnte plötzlich ungestört zu neuen Ufern aufbrechen und sich den Amerikaner Dan The Automator als Produzenten aussuchen, der im Hip-Hop beheimatet ist. Sein Einfluss ist nicht zu überhören. Kasabian machen da weiter, wo die Stone Roses und Happy Mondays in den Neunzigern aufgehört hatten: bei einer Mischung aus Rock und Clubmusik.

Auf ihrem aktuellem Album "Velociraptor!" wird man erneut Zeuge wachsender Experimentierfreude. Um sich ausmalen zu können, wie sich der Song "Acid Turkish Bath" anhört, stellt man sich am besten psychedelische Teufelskerle vor. In "I Hear Voices" probiert Pizzorno analoge Synthesizer aus und lotst die Band ins Land des Electro. Kasabian tun alles, um den Eindruck zu erwecken, dass man nur gut sein kann, wenn man etwas riskiert. Für diese Haltung ist man ihnen dankbar.

Im Herbst letzten Jahres feierten Kasabian ihren bisher höchsten Album-Charteinstieg in Deutschland. Ein erstes Konzert in Huxley's Neuer Welt war ausverkauft. "Ich hatte schon in der Schule nur Faxen im Sinn und jetzt ist das nicht anders", sagt Meighan. "Ich liebe es, mich diesem ganzen Wahnsinn mit bedingungsloser Hingabe zu widmen." So spricht ein Weltverbesserer des Rock'n'Roll.

Konzert Columbiahalle, morgen, 20 Uhr (ausverkauft).