Abschied

Zum Lachen und zum Heulen: Totenfeier für Thomas Langhoff

Der Brecht-Platz vorm Berliner Ensemble quillt über von Menschengewimmel ganz in schwarz. Von oben, vom Riesenplakat an der Fassade, grüßt beiläufig und wie entrückt und in sich versunken Thomas Langhoff. Ganz in Weiß, den Pullover lässig über die Schulter geworfen.

Ein privater Schnappschuss. Doch auch ein treffliches Bild von diesem so faszinierenden, heutzutage so selten gewordenen Großkünstler der Beiläufigkeit. Und obendrein war es Signum für die überaus lebendige, herzensinnige, von jeglicher Schwermut enthobenen Totenfeier für den am 18. Februar verstorbenen Regisseur.

So hatte er sich das wohl auch vorgestellt, für den die Kunst immer ein helles Spiel war mit der dunklen Todesnähe des Lebens. Das Schöne und Schlimme stets durcheinander, das faszinierte ihn, das trieb ihn um, daraus machte er unvergessliche Theaterabende. Und daraus band ein üppiger Kreis von Kollegen und Freunden - allesamt Stars des deutschsprachigen Schauspielbetriebs - "ihrem Tommy" einen üppigen Kranz aus lustigen oder auch wehen Erinnerungen, Probenanekdoten ("zielgerichteter Tumult") und natürlich Szenen "seiner" Stücke.

Noch einmal huschen Tschechows drei Schwestern aus dem Gorki-Theater anno 1988 vorüber (Schönfeld, Lennartz, Werner: "Aber wir müssen leben, leben, leben!"). Noch einmal wütet Gert Voss mit Thomas Bernhard gegen die Kunst ("Ich vertrage sie nicht!") und gegen den hässlich-herrlichen Theaterstaub (Wiener Burgtheater anno 2002). Tolle Momente; zum Lachen wie zum Heulen.

"Ich hab' eine Neigung zur Treue", sagt Langhoff in einem Filmausschnitt, dafür hat er zuweilen bitter bezahlt. Dafür wurde er aber auch und noch einmal jetzt am Grab reich beschenkt von tout Theaterdeutschland (mehr war nicht angereist, ihn zu feiern). In ihm stecke glücklicherweise die ewige Lust, ungetrübt mit Todesangst umzugehen, bekannte Thomas Langhoff. Dementsprechend seine Kunst. Und sein Lieblingsspruch: "Aus die Maus."