Benefiz-Konzert

Anna Netrebko singt wunderbar, nur leider zu wenig

Es war ein wundervolles Benefiz-Konzert für den Wiederaufbau der Linden-Oper. Wer bislang geneigt war, Daniel Barenboims zusätzliches Engagement an die Mailänder Scala zu bedauern, sah sich an diesem Festabend mit der Staatskapelle aufs wunderbarste getröstet.

Barenboim präsentierte sich im Nebenbei neuerdings als der brillanteste Verdi-Dirigent, den Berlin in den vergangenen Jahrzehnten zu hören bekommen hat. Dass er Richard Straussens "Till Eulenspiegel" voll musikalischer Verschmitztheit und Finesse nachdichten würde, war vorauszusehen. Dass er aber in der Philharmonie eine vergleichbare Meisterschaft, ein ebenso tiefes musikdramatisches Verständnis für Verdi aufbringen würde, wie er es jetzt mit der Ouvertüre zur "Sizilianischen Vesper" bewies, war nicht vorauszusehen.

Und natürlich war er der grandiosen Anna Netrebko ein umsichtig anspornender Begleiter. Er ließ sich, entrückt auf seinem hohen Dirigentenpodest, von ihr aufs Liebenswürdigste gesanglich umkreisen. Die Netrebko sang tatsächlich für jedermann im rundum ausverkauften Saal. Bald wendete sie sich dem Parkett zu, bald den Damen und Herren auf den Podiumsplätzen, sie sang nach rechts oben hinauf und tat ein gleiches zur Linken. Ihre Jubelstimme war überall im Saal, nicht einzig bei den Auserwählten mit dem dicken Portemonnaie in der Tasche, sondern auch bei den minderbemittelten Musikliebhabern. Sie sang tatsächlich, ob nah oder fern, ob oben oder unten, für jedermann. Nur leider nicht genug.

Mit zwei Arien und nur drei Liedern war ihr Programm nicht gerade reich bestückt. Doch allein schon, wie sie stimmlich die "Siciliana" aus der "Sizilianischen Vesper" in den Saal feuerte, machte ihren Auftritt unvergesslich. Sie ist wahrscheinlich zurzeit die unantastbarste Primadonna der ganzen Welt.