Podium

Kulturabbau Ost: Diskussion über Theatertod in Pankow

"Ihren Job will ich nicht machen", sagt Jens Becker vom Aktionsbündnis Berliner Künstler zu Bezirksstadtrat Torsten Kühne (CDU), der in Pankow auch für Kultur zuständig ist. Die beiden sitzen auf einem Podium im Saal des Deutschen Theaters und diskutieren über die Zukunft kommunaler Kultureinrichtungen.

Eigentlich war auch Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) eingeladen, doch er hat kurzfristig abgesagt. Zeitgleich zu der vom Rat für die Künste im Deutschen Theater (DT) organisierten Veranstaltung findet auch eine Sondersitzung des Pankower Finanzausschusses statt. Das war Montagabend.

Die Finanzpolitiker berieten über dasselbe Thema. Die Lage in Pankow ist dramatisch. Der Bezirk muss demnach auf Beschluss des rot-schwarzen Senats fünf Mio. Euro einsparen und hat sich entschlossen, den Kulturetat um eine Million zu kürzen. Das würde zur Schließung einer ganzen Reihe kommunaler Einrichtungen führen wie dem Theaters unterm Dach und der Wabe im Ernst-Thälmann-Park. Beide Häuser sind für die Kulturszene der Stadt von essenzieller Bedeutung - zum einen als Veranstaltungsorte, zum anderen als Sprungbrett junger Künstler.

Das bestreitet auch Kulturstadtrat Kühne nicht. Doch sein Entscheidungsspielraum gehe gegen Null. Der größte Teil seines Etats werde durch Fixkosten aufgefressen. Die Zuschüsse für Kulturprojekte seien hingegen disponibel. Die Politik rede sich auf Sachzwänge heraus, die sie selbst geschaffen habe, rief ein Besucher, und Ulrich Khuon, Intendant des DT erklärte, man dürfe sich nicht allein der Macht der Zahlen beugen. Der Anteil der Bezirke an den Steuereinnahmen ist in den letzten Jahren auf rund 20 Prozent reduziert worden. Da wirkt es heuchlerisch, wenn Kulturstaatsekretär André Schmitz (SPD) in einer Presseerklärung gegen den "Raubbau der Kultur in Pankow" wettert. Das Pankower Problem ist auch ein Berliner Problem.