Medien

Kampf gegen Halbwissen

Beate Wedekind ist wieder Chefredakteurin. Die Frau, die seit Mitte der Achtzigerjahre Lifestyle- und Klatsch-Blätter wie "Elle", "Ambiente", "Bunte" und "Gala" leitete, macht jetzt "365_oneworld".

Bei der Beschreibung der neuen Zeitschrift spart sie, die im April 61 wird, nicht an Superlativen. Moderner und anspruchsvoller als Hochglanzmagazine wie "Interview" oder "Vanity Fair" soll sie werden, auf edlem Umweltpapier gedruckt, mit Bildern ausgesuchter Fotografen. Jährlich wird es eine monothematische Ausgabe geben, die im April offiziell erscheinende erste Nummer hat 364 Seiten und ist so etwas wie eine Liebeserklärung an Äthiopien, jenes Land, das Beate Wedekind bereits als junge Bankkauffrau für den Deutschen Entwicklungsdienst bereiste und von dem ihr der Vater, der Teil von Rommels Afrika-Korps war, als Kind immer so viel erzählte. Auch ihr mittlerweile 25 Jahre andauerndes Engagement für Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe-Projekt "Menschen für Menschen" zeugt von ihrer Faszination für das Land. Leider, sagt sie, sei Äthiopien jedoch noch immer ein Synonym für ein Land, dem man nichts zutraut.

Zielgruppe von "365_oneworld" sind demzufolge weder Oberlehrer noch diejenigen, die gelegentlich ein paar Euros für die weniger gut gestellten Kontinente locker machen, sondern Menschen, die ein Interesse daran haben, Afrika aus neuer Perspektive kennenzulernen. Das können Wirtschaftsunternehmen sein, aber eben auch Leute, die mit ihrem Halbwissen aufräumen wollen. "Ich will Äthiopien mit Zukunftsthemen auf die Agenda setzen", sagt sie mit Nachdruck.

Zwei Stunden hat sich Beate Wedekind für unser Gespräch Zeit genommen. Ihr Layouter wird währenddessen anrufen, um letzte grafische Details mit ihr zu besprechen. Die Inhalte stehen, Themen sind Gesellschaft und Kultur Äthiopiens, Erfolgsgeschichten und deutsch-äthiopische Partnerschaften, wirtschaftliche wie private. Erklärtes Ziel ist, das Image des Landes aufzubessern. Die Zeitschrift sieht sie als ein "Businessmodell", als journalistisches Umfeld für an dem jeweiligen Thema interessierte Institutionen, Firmen, Einzelpersonen, die sich mit "365_oneworld" Aufmerksamkeit für ihre eigenen Anliegen verschaffen wollen.

Über Armut oder in Überfluss Lebende will Beate Wedekind nicht berichten. Ihr Fokus ist der Mittelstand, die Schicht, aus der sie selbst stammt, und für die sie seit Anbeginn ihrer journalistischen Laufbahn beim West-Berliner "Abend" und der "Bild"-Zeitung schreibt. Ihr Vater war Ingenieur, ihre Mutter Hausfrau. Bei den Reichen, die sie während ihrer Zeit als Chefredakteurin all der bunten Blätter umgaben, habe sie nie versucht anzudocken. Eine "Klatschtante" sei sie aber schon, obgleich ihr das Beobachten zu jeder Zeit lieber war als das Mitspielen.

Mit jenem journalistischen Blick steckt Beate Wedekind nun in den Endzügen der Produktion ihrer Zeitschrift. Mehr als die Hälfte der Texte hat sie selbst geschrieben, die anderen kommen von weiteren ausgesuchten Äthiopien-Kennern, Carola Frentzen zum Beispiel, die für die Deutsche Presseagentur aus Ostafrika berichtet. Oder von Außenminister Westerwelle, der einen Essay über die Schlüsselrolle des Landes bei Afrikas Entwicklung verfasste.

Beate Wedekind trinkt Milchkaffee, dazu ein Wasser. Die Idee, sich im modern-gemütlichen Ambiente eines Cafés zu treffen, stammt von ihr. Der Umstand, dass WLAN vorhanden ist, hat möglicherweise bei der Wahl eine Rolle gespielt. Die neuen Verbreitungsformen von Inhalten übers Internet interessieren sie besonders. Bei "365_oneworld" hat jedoch noch einmal das analoge Papier Vorrang: "Wenn man Äthiopien mit seiner Message Meinungsmacher erreichen will, dann ist ein Print-Produkt unschlagbar", sagt Beate Wedekind. Ein "journalistisch gemachtes Buch" entsteht, ein Bookzine.

Bei einem ihrer früheren Glamour-Magazine würde sie heute übrigens nicht noch einmal arbeiten wollen. Neue Herausforderungen seien gut. Dieses Jahr soll noch die Autobiografie erscheinen, und irgendwann dann möchte Beate Wedekind ihren Traum wahr machen und zwischen Addis Abeba, Berlin und ihrem Bauernhäuschen auf Ibiza eine Lebensform finden, die weniger stressig ist als das Jetzt. Journalistin sein will sie freilich bis an ihr Lebensende. Und im nächsten Jahr wird sich ihre Zeitschrift dann mit dem Älterwerden befassen. Und damit, wie verschiedene Menschen in verschiedenen Kulturen damit umgehen. Das interessiert alle, sagt sie.