Gäste-Streit bei Talkshows

Plaudern, meckern, schlichten

Es geht heiß her unter den Talkshow-Päpsten der Republik. Ein halbes Jahr nach der großen Plauderrunden-Offensive der ARD scheint es mit der Koordination von Gästelisten noch immer nicht recht zu klappen, besonders Sonntagsredner Günther Jauch und Konfrontationsgenie Frank Plasberg kommen sich zunehmend in die Quere.

Dabei sollte die extra für die fünf Sendungen installierte Datenbank "1Talk5" doch für geordnetes Chaos sorgen. Dort geben die Redaktionen Themen und angefragte Gäste ein.

Der Zuschauer hingegen bedarf keiner technischen Unterstützung, um festzustellen, dass noch immer jede Menge Talkshow-Hopping stattfindet. Neben ohnehin allgegenwärtigem, sogenanntem Sendungsmobiliar wie Berufsschlichter Heiner Geißler war der Doppelauftritt des CDU-Politikers und letzten öffentlichen Christian-Wulff-Verteidigers Peter Hintze unlängst besonders augenfällig. So hatte der Zuschauer ausreichend Gelegenheit, am Sonntag und am Montag die wortreichen Plädoyers des ehemaligen CDU-Generalsekretärs mitzuerleben.

Und weil Günther Jauch wohl schon ahnte, dass sein Kollege Frank Plasberg am Folgetag einmal wieder den einen oder anderen seiner Gäste übernehmen würde, montierte er eine zielgenaue Spitze in den eigenen Sendungstitel: "Wulff und die Amigos - Wenn Politik auf Wirtschaft trifft ...!". Das erinnerte wohl jeden halbwegs firmen Zuschauer an Plasbergs Parole "Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft".

Am Mittwoch nun sprach der Boss. Thomas Baumann, ARD-Chefredakteur und Talkshow-Koordinator, hatte planmäßig in sein Büro nach München geladen, um mit Abgesandten der Gesprächssendungen zu diskutieren. Dabei kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Vertretern von Jauchs und Plasbergs Sendungen, berichtet ein Insider. Die ständigen inhaltlichen Überlappungen der beiden Formate sorgten bei den Beteiligten beider Seiten zunehmend für Unmut. Wundern freilich tut es nicht, dass sich einige der ARD-Talker nicht ganz grün sind: Jauch schnappte Anne Will im Herbst ihren begehrten Sonntagssendeplatz weg, Frank Plasberg musste ihr seinen erfolgreichen Mittwochabend überlassen. Dass er fortan ausgerechnet den Montag blockierte, dürfte wiederum Reinhold Beckmann sauer aufgestoßen sein, der seinerseits ausweichen musste.

Schon im Februar 2011 hatte Baumann angemerkt, dass er nicht permanent den Schiedsrichter spielen wolle - wohl wissend, dass es schon einmal unangenehm werden kann, wenn die ungebremsten Egos von fünf Topmoderatoren aufeinanderprallen. Bezüglich des gestrigen Gesprächs formuliert er, dass es "unsinnig" sei, von einem Krisentreffen zu sprechen, da es keine Krise gebe. Die Datenbank erfülle ihren Zweck: "Dass ein und dieselbe Person als Gast in aufeinanderfolgenden Sendungen auftritt, ist die absolute Ausnahme und kommt nur in journalistisch begründeten Fällen vor." Dass sie allerdings nicht immer im Sinne des Erfinders gebraucht wird, hat sich erwiesen. So gebe es eine Redaktion, die sich mit dem Eintragen von Gästen immer wieder Zeit ließe, eine andere mülle das Portal mit Alternativthemen zu, will die "Berliner Zeitung" erfahren haben.

Bei allen Meinungsverschiedenheiten mag dies eine beruhigen: Auch nach dem Talk-Gipfeltreffen gibt es bislang keinen Hinweis darauf, dass Heiner Geißler künftig nur noch in einer Talkshow pro Woche auftreten darf.

Dass ein Gast in mehreren Sendungen auftritt, ist die absolute Ausnahme und kommt nur in journalistisch begründeten Fällen vor.

Thomas Baumann, ARD-Chefredakteur