Kunstraub

Folge der Sparpolitik? Überfall auf Olympia-Museum

Der Überfall an der Geburtsstätte der Olympischen Spiele versetzte der griechischen Kulturwelt einen schweren Schock. "Nun wird man uns Griechen wieder vorhalten, dass wir nicht einmal mehr in der Lage sind, unsere Kultur- und Kunstschätze zu schützen", beklagte die Zeitung "Kathimerini".

Vor nicht einmal sechs Wochen waren aus der Nationalgalerie in Athen ein Gemälde von Pablo Picasso und zwei weitere Werke gestohlen worden.

Zerfällt in Griechenland nach dem Finanzsystem und der Wirtschaft nun auch die Kultur? Immerhin war nicht irgendein Museum überfallen worden. Das antike Olympia im Westen der Peloponnes-Halbinsel gilt als ein Symbol der menschlichen Zivilisation. Die Angestellten der griechischen Museen betrachten den Überfall als eine Folge der Sparpolitik. Aufgrund der Einsparungen seien von den 4000 Wächterstellen, die zum Schutz der antiken Stätten notwendig seien, weniger als die Hälfte besetzt, betonte der Verband der Wachleute.

Allerdings ist der Schutz der Kunstschätze nicht nur eine Frage des Geldes und der Zahl der Wächter. "Als in den 50er Jahren in Griechenland bittere Armut herrschte, haben die Leute die Museen verehrt und nichts daraus gestohlen", sagte die Generalsekretärin des Kulturministeriums, Lina Mendoni, der Zeitung "To Vima". "Wenn das jetzt anders ist, bedeutet dies einen Verfall der Werte."

Das Museum der Olympischen Spiele im antiken Griechenland hätte zum Zeitpunkt des Überfalls von drei Wachleuten geschützt werden sollen. Ein Wächter hatte frei, ein zweiter kam zu spät zur Arbeit. Die Räuber im antiken Olympia wussten anscheinend genau, wonach sie suchten. Nach den Worten der 48-jährigen Museumswächterin wollten sie wissen, wo sich die Goldkränze und die wertvolle Sammlung von Olympia-Briefmarken des Griechen Georgios Papastefanou befinden. Jedoch gehören diese Exponate nicht zur Kollektion des überfallenen Museums. Die Täter erbeuteten 65 Figuren und Gefäße aus Ton und Bronze. Laut "To Vima" wurde auch die Bronzefigur eines Läufers gestohlen, die im August im Martin-Gropius-Bau ausgestellt werden sollte.